Der Deutsche Wetterdienst sieht für den 10. bis 12. Juni eine deutliche Abkühlung wahrscheinlicher werden: Für unterdurchschnittliche Lufttemperaturen nennt er eine Wahrscheinlichkeit von etwa 80 Prozent, für überdurchschnittliche Niederschlagsaktivität rund 55 Prozent. Ein Kälteeinbruch zeichnet sich nach der aktuellen Lage dennoch nicht ab.
Damit rückt die Schafskälte genau in den Zeitraum, in dem das Wetterphänomen in Mitteleuropa am ehesten auftaucht. Gemeint ist eine kurze Phase kühler Luft im Juni, die zwischen dem 4. und dem 20. Juni auftreten kann und am häufigsten auf den 11. Juni fällt. Innerhalb weniger Stunden kann die Temperatur dabei um bis zu 10 Grad Celsius sinken, wenn aus Nordwesten kühle Luft einströmt.
Für viele Hobbygärtner ist diese Aussicht mehr als nur eine Wetternotiz. Das Frühjahr war besonders im Süden und Südosten Deutschlands trocken, und wärmeliebende Pflanzen reagieren empfindlich auf einen plötzlichen Temperaturrückgang. Tomaten, Paprika und junge Zitrusbäume gehören zu den Gewächsen, die bei kühlen Nächten schnell Schutz brauchen.
Genau hier liegt die Spannung der Prognose: Der DWD sieht für die zweite und dritte Juniwoche noch keinen klaren Trend, obwohl die erste Juniwoche wechselhaft bleibt und die Wahrscheinlichkeiten für kühlere und nassere Tage steigen. Die Lage passt damit zu einem bekannten Muster, ohne schon den klassischen Kälteschub zu bestätigen, der die Schafskälte im strengen Sinn ausmacht.
Die Bezeichnung kommt von den Schafen, die traditionell bis dahin oft schon geschoren wurden. Mutter- und Jungtiere werden deshalb meist erst in der zweiten Junihälfte geschoren. Das Phänomen tritt nicht jedes Jahr auf, und mit dem Klimawandel sinkt seine Eintrittswahrscheinlichkeit weiter. Im Jahr 2024 meldete der Deutsche Wetterdienst im Zusammenhang mit der damaligen Schafskälte sogar leichten Frost in Bodennähe.
Wer sich an der Frage orientiert, ob es in diesem Jahr wieder zu einer echten Schafskälte kommt, bekommt vorerst nur eine vorsichtige Antwort: Der 10. bis 12. Juni ist der engste Prüfzeitraum, doch der Wetterdienst sieht bislang eher kühlere und feuchtere Tage als einen klaren Kälteeinbruch. Für Gartenbesitzer heißt das, Pflanzen noch nicht zu früh ins Freie zu stellen oder empfindliche Töpfe bei Bedarf wieder abzudecken.

