Eine schwere Gewitterfront hat am Freitagabend nach mehreren heißen Tagen Deutschland überrollt und in mehreren Bundesländern Evakuierungen, Rettungseinsätze und Überflutungen ausgelöst. Der Deutsche Wetterdienst registrierte Böen von bis zu 110 Kilometern pro Stunde, Starkregen und Hagel mit bis zu vier Zentimetern Durchmesser, während sich die Lage gegen 19.30 Uhr in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein zuspitzte.
Besonders deutlich wurde das Ausmaß in Münster. Dort meldete die Feuerwehr am Abend Hunderte Einsätze, ein Open-Air-Konzert nahe dem Halle Münsterland wurde abgesagt, Keller liefen voll und zahlreiche Straßen standen unter Wasser. Ein Sprecher sprach von Vollalarm. Auf mehreren Bahnstrecken kam der Verkehr wegen umgestürzter Bäume zum Erliegen, in Münster musste die Feuerwehr zudem einen Baum von einer Oberleitung holen, die danach zeitweise gesperrt wurde.
Auch anderswo griff der Sturm schnell auf den Alltag durch. Zwei Ruderer wurden auf der Werse in Münster überrascht und gerettet, in Witten geriet ein Autofahrer mit seinem Wagen in eine überflutete Fahrbahn und konnte erst vom Dach seines Autos aus geborgen werden. Die Polizei in Osnabrück verzeichnete 100 Einsätze, in Garrel im Landkreis Cloppenburg wurde ein Zeltlager aufgelöst und die 36 Kinder dort wurden von ihren Eltern abgeholt.
Trotz der massiven Folgen gab es nach den bisherigen Meldungen keine Verletzten. Genau das macht die Lage so ungewöhnlich: Die Gewitterfront richtete an einem einzigen Abend über mehrere Regionen hinweg große Schäden und erheblichen Aufwand für die Einsatzkräfte an, ohne dass zunächst Verletzte gemeldet wurden. Wie groß der Gesamtschaden am Ende sein wird, blieb in den ersten Stunden offen.
Für Entwarnung ist es zu früh. Der Wetterdienst warnte, dass am Samstag weitere Regionen von Gewittern und Regen getroffen werden könnten, von den westlichen Mittelgebirgen bis zum Bayerischen Wald seien einzelne Gewitter möglich. Für Sonntag wurden erneut Gewitter in der Mitte und im Süden Deutschlands erwartet, dazu Starkregen von bis zu 40 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit oder 60 Litern pro Quadratmeter binnen weniger Stunden sowie Hagel und stürmische Böen.

