Felix Gall ist im Giro D'italia einen weiteren Schritt Richtung Podium in Rom gegangen. Der Österreicher beendete die längste Etappe der Schlusswoche in der Gruppe um Jonas Vingegaard und liegt damit 202 Kilometer näher an seinem großen Ziel als noch vor dem Tag zuvor.
Für Gall zählt das gerade jetzt, weil die Entscheidung in den Bergen fällt und in den Dolomiten schon die nächsten harten Prüfungen warten. Gleichzeitig rollt aus Österreich eine kleine Fanwelle an, die den Gesamt-Zweiten auf den Bergetappen begleiten will. Stefan Mutschlechner, Präsident des Skiclubs Lienz und Teil des Gall-Fanklubs, plant mit seiner Gruppe, den Bus bereits am Vortag an der Strecke abzustellen und am Renntag mit den Rädern hinaufzufahren. Fahnen, Transparente, Kuhglocken und Gall-T-Shirts sollen mit auf den Berg.
Der Zuspruch kommt nicht zufällig. Gall hat sich in der Schlusswoche in Reichweite der Favoriten gehalten, obwohl er in derselben Gruppe wie Vingegaard ankam, der im Rennen fast unangreifbar wirkt. Der 34-jährige Däne trat beim Start zur 17. Etappe in Cassano d'Adda glatt rasiert an und machte sich selbst mit einem Seitenhieb auf seinen Schnurrbart zum Thema. Vingegaard sagte, er sehe aus wie ein Teenager, der versuche, einen Schnurrbart wachsen zu lassen, und manchmal müsse man eben eine Niederlage akzeptieren. Solche Sätze ändern nichts an seiner Stellung im Rennen, zeigen aber, wie schwer es ist, ihm überhaupt etwas abzunehmen.
Auf der Strecke selbst setzte sich Michael Valgren in Andalo durch und gewann die hügelige Fahrt als Bester von 29 Ausreißern seinen ersten Sieg bei einer Grand Tour. Für Gall änderte das nichts am Gesamtbild: Er kam mit den Besten durch und hält die Hoffnung auf Rom am Leben. Wie viel der Rückhalt aus Österreich auf den kommenden Bergetappen tatsächlich trägt, wird sich nun in den Dolomiten zeigen, wo die letzten offenen Kilometer eher über Beine als über Worte entschieden werden.
Auch abseits der Rennspur ist Bewegung. Franz Theurl trifft sich am Samstag in Piancavallo mit den Giro-Bossen und will in den nächsten Jahren eine Etappe nach Osttirol holen. Für die österreichischen Fans ist das mehr als ein Wunsch am Rande. Es passt zu einem Giro, der für sie längst nicht mehr nur über Gall läuft, sondern über die Hoffnung, dass der Weg nach Rom und der Weg nach Osttirol sich irgendwann an derselben Straße kreuzen.

