Casper Ruud hat sich bei Roland Garros aus einem fast verlorenen Match zurückgekämpft und Tommy Paul nach zwei abgewehrten Matchbällen mit 4-6, 6-7, 6-4, 7-6, 7-5 besiegt. Nach einem Rückstand von zwei Sätzen steht der Norweger im Achtelfinale.
Der Sieg kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Feld in Paris spürbar geöffnet hat. Mit den frühen Abschieden von Jannik Sinner und Novak Djokovic ist jeder weitere Erfolg schwerer zu ignorieren, und Ruud bleibt mit diesem Kraftakt im Rennen um die großen Plätze des Turniers. Als Nächstes wartet Joao Fonseca.
Ruud erklärte später, dass Paul für ihn in den ersten beiden Sätzen klar der bessere Spieler gewesen sei. Sein Aufschlag habe ihn im zweiten Durchgang überhaupt erst im Spiel gehalten, weil Paul aggressiv auftrat, häufig ans Netz ging und ihn kaum zu einem Rhythmus kommen ließ. Bis zum dritten Satz, sagte Ruud, sei er praktisch nicht einmal in die Nähe eines Breakballs gekommen. Erst als ihm dort früh das Break gelang, habe sich das Bild verändert.
Genau dort lag am Ende auch der Unterschied. Ruud gewann alle drei Breakbälle, die er bekam, während Paul nur zwei von 14 Chancen nutzte. Der Norweger sprach davon, dass wenige Punkte über Sieg und Niederlage entschieden hätten und dass Tennis manchmal ein sehr grausamer Sport sei. Für ihn habe diese Effizienz womöglich den Ausschlag gegeben.
Für den Mann, der auf Sand seit Jahren zu den verlässlichsten Namen gehört, war es ein weiterer Beweis für die Art von Sieg, die in einem Grand-Slam-Draw den Kurs verändern kann. Gegen Paul hatte Ruud schon vor dem Turnier als Favorit gegolten, doch diesmal musste er sich nicht auf eine klare Linie, sondern auf Geduld und Widerstandskraft verlassen. Der Ausgang unterstreicht, warum solche Matches auf dieser Bühne oft länger nachwirken als ihre Statistik.
Ruud sagte, er fühle sich überraschend gut, auch wenn man am Ende eines solchen Matches die Belastung spüre. Die kühlere Luft in den letzten Sätzen habe geholfen, obwohl es immer noch ein sehr heißer Tag gewesen sei. Jetzt wolle er die nächsten 36 oder 40 Stunden nutzen, um sich so gut wie möglich zu erholen, Flüssigkeit und Energie aufzufüllen und alle Kräfte für Sonntag zu sparen.
Genau dort liegt die offene Frage nach diesem Sieg: ob Ruud sich rechtzeitig erholt, um Fonseca überstanden zu bekommen. Der Norweger lobte seinen nächsten Gegner ausdrücklich und sagte, Fonseca habe bereits Topspieler geschlagen und wisse, was es brauche. Beide kämen aus langen Matches und aus zwei Sätzen Rückstand; Ruud rechnet deshalb mit einem harten Duell, in dem seine Beine ebenso wichtig sein dürften wie sein Schlagspiel.

