Die Budapester Polizei hat die Budapest Pride Parade 2026 genehmigt und erklärt, sie werde niemanden daran hindern, an dem Umzug im nächsten Monat teilzunehmen. Die Veranstaltung soll am 27. Juni stattfinden.
Der Schritt kommt am Freitag und verändert die Lage sofort für alle, die sich auf den Marsch vorbereiten. Budapest Pride ist seit Jahren ein politischer Prüfstein in Ungarn, und die neue Entscheidung beantwortet zumindest vorläufig die Frage, ob die Parade überhaupt auf die Straße gehen kann.
Die Budapester Metropolitanpolizei teilte zugleich mit, dass sie für drei Gegendemonstrationen einschränkende Anordnungen erlassen habe. Wie die Behörden diese Kundgebungen am Tag der Parade voneinander fernhalten wollen, bleibt jedoch offen.
Für Gergely Karácsony ist die Genehmigung eine späte Wende in einem Konflikt, den er schon einmal ausgetragen hat. Der Bürgermeister von Budapest ging im vergangenen Jahr trotz eines Verbots weiter und sagte später, mehr als 100.000 Menschen seien dabei gewesen. Unter den Teilnehmern waren auch mehrere europäische Politiker und Kritiker der Regierung von Viktor Orbán.
Karácsony wurde wegen des Bruchs des Regierungsverbots angeklagt. Das Gericht setzte das Verfahren im März aus. Im selben Monat kippte das EU-Gericht die anti-LGBTQ-Entscheidung von Orbáns Regierung, nachdem das Parlament in Ungarn bereits Anfang 2025 Gesetze verabschiedet hatte, die schließlich zum Verbot der Pride-Parade geführt hatten.
Die neue Entscheidung fällt auch in eine veränderte politische Phase: Péter Magyar hat erst Anfang dieses Monats das Amt übernommen, das zuvor Orbán innehatte. Dass die Polizei nun sagt, sie werde Teilnehmer nicht aufhalten, markiert deshalb mehr als eine Verwaltungsentscheidung. Es zeigt, dass das Verbot zwar noch als Streitpunkt über der Parade liegt, aber nicht mehr die gleiche praktische Kraft hat wie zuvor.
Karácsony nannte die Genehmigung die richtige Entscheidung und sagte, sie zeige, dass die Kultur der Freiheit in Ungarn trotz des erstickenden politischen Klimas der vergangenen anderthalb Jahrzehnte überlebt habe. Er fügte hinzu, es zeige auch, dass es noch Menschen mit dem Mut gebe, standhaft zu bleiben, und dass offenkundige Wahrheit nicht durch unehrliche Rhetorik verdeckt werden könne. Für die Veranstalter ist das nun vor allem ein Termin mit offenem Ausgang in der Organisation, aber nicht mehr in der Frage, ob Budapest Pride am 27. Juni überhaupt stattfinden darf.

