Carlos Palacios Núñez steht bei Boca Juniors weiter am Rand. Der Offensivspieler wurde für das entscheidende Spiel in den Libertadores 2026 gegen Universidad Católica nicht in den Kader berufen, und in diesem Jahr hat er für den Klub bislang keine einzige Minute gespielt.
Die Auslassung ist der bisher klarste Hinweis darauf, wie schwierig seine Lage in Buenos Aires geworden ist. Seine Abwesenheit wird mit einer Knieoperation und einer Erholung erklärt, die länger dauert als erwartet. Für Boca kommt das ausgerechnet in einer Phase, in der es um die K.-o.-Runde der Copa Libertadores geht und jeder Kaderplatz zählt.
Sportlich ist Palacios in diesem Jahr unsichtbar geblieben, politisch und personell aber nicht. Es wird bei Boca über eine größere Umstrukturierung gesprochen, und in diesem Zusammenhang taucht immer wieder auch ein möglicher Abschied des Spielers auf. Als möglicher Zielort gilt eine Rückkehr zu Colo Colo, dem Klub, bei dem Palacios bereits früher gespielt hat.
Genau dort setzt auch die Debatte an, die der frühere Nationalspieler Gonzalo Jara im Sender radio ADN angeheizt hat. Jara sagte, Palacios habe sich in Argentinien nicht durchsetzen können, und formulierte es noch schärfer: „Le quedó grande Boca“. Er sagte außerdem: „Me preocupa el futuro de Carlos (Palacios). Puede dar más. Le quedó grande Boca, la realidad, la exigencia del fútbol argentino es distinto“.
Jara legte nach und verwies darauf, dass er viele Spiele gesehen habe. „Me tocó ver muchos partidos y para mí no se adaptó al fútbol de Boca, que no jugaba nada bien. Eso sí, no le tocó un Boca que lo ayudara tampoco futbolísticamente“, sagte er. Mit anderen Worten: Aus seiner Sicht passte Palacios weder sofort in das Spiel von Boca noch bekam er ein Team, das ihn auf dem Feld tragen konnte.
Zwischen dieser Kritik und der aktuellen Lage liegt ein einfacher Befund: Palacios hat in einer Saison ohne Einsatzminute noch keine sportliche Antwort geben können. Gleichzeitig bleibt offen, ob Boca ihn nach einer möglichen Kader- und Strukturreform überhaupt noch einplant oder ob der Weg zurück nach Chile schneller Realität wird als erwartet. Aníbal Mosa sagte, er habe mit Palacios gesprochen, und nach den vorliegenden Informationen sieht der Spieler eine Rückkehr zu Colo Colo positiv.
Jara hielt diesen Schritt für folgerichtig. „Si vuelve a Colo Colo le va a ir bien, conoce la interna, la gente, el club, su entrenador. Le va a servir mucho“, sagte er. Für Palacios wäre das mehr als ein Wechsel zurück an einen alten Arbeitsplatz. Es wäre der Versuch, nach einem verlorenen Jahr in Boca wieder dort anzuknüpfen, wo er sich kennt und wo er nach Ansicht seiner Unterstützer besser funktionieren könnte.
Die nächsten Wochen dürften deshalb nicht nur über das Schicksal des Spiels gegen Universidad Católica entscheiden, sondern auch über die Zukunft von Palacios selbst. Bleibt er bei Boca, muss er erst einmal überhaupt wieder auf den Platz kommen. Geht er, könnte Colo Colo der Ort sein, an dem seine Karriere neu beginnt.

