Lesen: Miles Davis zum 100. Geburtstag: Vermächtnis zwischen Genie und Streit

Miles Davis zum 100. Geburtstag: Vermächtnis zwischen Genie und Streit

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Weltweit wird in diesem Monat der 100. Geburtstag von begangen, und das Gedenken richtet sich nicht nur auf seine Musik, sondern auch auf den Widerspruch, der ihn bis heute prägt. Der in East St. Louis, Illinois, geborene Trompeter starb vor 25 Jahren, doch sein Name bleibt in Jazzhäusern, bei Plattenfirmen und auf Festivals präsent.

Zum Jubiläum bringen Plattenlabels aus dem Jahr 1957 und Live at the Plugged Nickel von 1965 in erweiterten Ausgaben neu heraus. Dazu kommt eine angekündigte Spielfilmproduktion über seine Affäre mit der französischen Schauspielerin , Miles & Juliette, die von produziert wird. Birdland, das Montreux Festival und widmen sich jeweils Schlüsselphasen aus Davis’ Laufbahn.

Dass ein Musiker mit einer fünf Jahrzehnte langen Karriere noch immer so breit gewürdigt wird, sagt viel über seine Reichweite. Davis brachte rund 60 Studioalben und mindestens 36 Livealben hervor, spielte in drei Filmen mit, gewann acht Grammy Awards und wurde in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen. Er war eine dieser vielen Gestalten in einem Leben ständiger Neuerfindung, Innovation und Kontroverse.

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Sein Ruf speiste sich dabei nicht nur aus der Musik. Davis wurde wegen seiner düsteren Bühnenpräsenz und seiner distanzierten Art abseits der Bühne als „Prince of Darkness“ bezeichnet. Er war berüchtigt für Auseinandersetzungen um Aufnahmecredits, und in späteren Jahren wurde er wegen körperlicher Gewalt gegen seine Ehefrauen kritisiert. Diese Spannungen haben die Wahrnehmung seines Erbes nie verlassen; sie stehen heute genauso neben seinem Werk wie die legendären Aufnahmen selbst.

Gerade deshalb wirkt das Jubiläum nicht wie eine einfache Ehrung, sondern wie eine erneute Prüfung seines Platzes in der Musikgeschichte. schrieb 1990 mit Mad at Miles: A Blackwoman’s Guide to Truth bereits über die widersprüchliche Figur Davis. Und seine eigene Haltung blieb typisch lakonisch: „I’ll play first, and I’ll tell you about it later—maybe.“ Wer dieses Jahr auf Miles Davis blickt, sieht also nicht nur einen Jubiläumskatalog, sondern einen Künstler, dessen Größe und Schatten sich nicht voneinander trennen lassen.

Auch die Popkultur hielt ihn nie am Rand. 1985 trat er in einer -Roller-Werbung auf, spielte Ivory Jones in einer Folge von Miami Vice mit dem Titel Junk Love und erschien zu Beginn des MTV-Videos Sun City von Artists United Against Apartheid. Ein Jahr später veröffentlichte er Tutu mit einer Coverversion von Perfect Way. Das erklärt, warum seine Jubiläumswoche mehr ist als Nostalgie: Miles Davis bleibt eine Figur, an der sich misst, wie modern Jazz sein kann und wie kompliziert sein Heldenbild bleibt.

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