Lesen: F1 Live: Montreal-Regen macht den Kanada-Grand-Prix zum Reifenpoker

F1 Live: Montreal-Regen macht den Kanada-Grand-Prix zum Reifenpoker

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Der Kanada-Grand-Prix in Montreal stand nur noch Minuten vor dem Start, und doch war die wichtigste Frage vor dem Rennbeginn nicht die Reihenfolge in der Startaufstellung, sondern die Reifenwahl. Über dem Circuit Gilles-Villeneuve lag ein milchiger, windiger Himmel, während die Fahrer auf der Strecke und an der Boxenmauer zwischen Intermediates und Slicks abwogen.

sprach von einer „really hard choice between the intermediates and the slicks“. sagte knapp: „It’s gonna be slidey“. fasste die Lage noch kürzer zusammen: „Slippery when wet“. probierte in der Aufwärmrunde die Intermediates aus, während das Feld versuchte, in den letzten Augenblicken vor dem Start die richtige Entscheidung zu treffen.

Die Lage bekam Gewicht durch die Tabelle und durch das Risiko, das jeder auf der nassen Strecke einging. Vor dem Rennen führte Kimi Antonelli die Fahrerwertung mit 106 Punkten an, Russell lag mit 88 Punkten dahinter. Dahinter folgten Werte von 63, 58, 54, 48, 28 und 17 Punkten. Gleichzeitig war dies das erste Rennen seit vier Grands Prix, das nicht klar auf trockenen, stabilen Bedingungen beruhte: Alle vier Rennen zuvor waren vom Polesitter gewonnen worden, und genau deshalb blieb der Start in Montreal so heikel.

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Der Rahmen für dieses Rennen war ohnehin aufgeladen. Schon gestern hatte es zwischen Antonelli und Russell nach dem Sprintrennen einen Bruch gegeben, bevor die Teams zu einem Gespräch zusammenkamen. Antonelli sagte später: „We had a meeting yesterday and it’s all good, everything is settled“. Trotzdem blieb die Erinnerung an den Zwischenfall im Raum, als die Fahrer nun in ein Rennen gingen, das mit Blick auf das Wetter und die Reifenwahl kaum planbar war.

erinnerte vor dem Start daran, warum dieser Ort so viele Fahrer anzieht. Der Circuit Gilles-Villeneuve sei „one of the best tracks in the world“, sagte er. Hamilton hat dort mit sieben F1-Siegen den geteilten Rekord. Genau dort sollte das Feld nun in Bedingungen losfahren, die Martin Brundle als „all the drivers will be nervous of this – it’s into the unknown“ beschrieb. Seine zweite Beschreibung passte ebenso gut: „A magical mystery tour.“

Jamie Chadwick brachte die besondere Spannung auf den Punkt und sagte: „This will be George and Kimi’s nightmare“. Das war mehr als ein Seitenkommentar. Toto Wolff war schon mit Blick auf Kanada im Vorjahr vorsichtig gewesen, als zwei Teamkollegen auf der Strecke kollidierten. Diesmal stand die Gefahr nicht nur im Rennverkehr, sondern schon vor dem Start auf der Waage zwischen Risiko und Vernunft.

Der Start war für etwas unter einer Stunde als wohl machbar eingeschätzt worden, doch genau diese Spanne machte die Entscheidung so schwierig. Wer zu früh auf Slicks ging, riskierte den Abflug. Wer zu lange bei Intermediates blieb, verlor Zeit. In Montreal ging es deshalb nicht nur um Speed, sondern um das schlicht richtige Lesen eines Rennens, das sich im Moment vor dem Start noch nicht lesen ließ.

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