Lens trifft am Freitag im Stade de France auf Nice und jagt im Coupe-de-France-Finale den ersten Titel der Vereinsgeschichte. Der zweite Platz in der Ligue 1 unter Pierre Sage hat den Nordfranzosen eine starke Saison beschert, doch jetzt steht ein Abend an, der in Lens längst als Prüfstein für mehr als nur gute Form gilt.
Der Weg dorthin war klar und deutlich. Lens setzte sich im vergangenen Monat mit 4:1 gegen Toulouse durch, nachdem Florian Thauvin, Allan Saint-Maximin, Matthieu Udol und Adrien Thomasson getroffen hatten. Auf dem Weg ins Finale erzielten die Sang et Or in vier Pokalspielen 16 Tore und kassierten nur sechs, ein Lauf, der sie in ihrem vierten Coupe-de-France-Endspiel hält.
Die Geschichte des Klubs macht den Druck noch größer. Lens gewann seinen letzten Titel in der Saison 2008-09 mit dem Gewinn der Ligue 2 und verlor zwei seiner drei bisherigen Endspiele im Coupe de France nur mit einem Tor Unterschied. Im französischen Fußball ist das der Stoff, aus dem Enttäuschungen entstehen können, und gerade deshalb wirkt dieses Finale wie mehr als ein weiterer Termin im Kalender.
Auch der Ort spielt eine Rolle. In dieser Saison verlor Lens zwei seiner drei Spiele in der französischen Hauptstadt; nur beim 5:0 gegen Paris FC im Februar gelang ein Sieg. Gegen Nice spricht zudem die Bilanz der jüngeren Vergangenheit: Lens ist in zwei der vergangenen drei Heimspiele gegen die Südfranzosen ungeschlagen, hat aber seit der Ligue-1-Saison 2006 nicht mehr auswärts gegen sie gewonnen. Im direkten Vergleich ist Nice in sieben der vergangenen acht Partien in allen Wettbewerben ohne Niederlage geblieben und hatte das einzige frühere Coupe-de-France-Duell zwischen beiden 1954 mit 5:0 für sich entschieden.
Nice kommt mit einem ganz eigenen Weg ins Finale. Das Team setzte sich mit 2:0 gegen Strasbourg durch, eliminierte außerdem drei Ligue-1-Gegner und bezwang auch Montpellier sowie Saint-Etienne. In allen bis auf eine Pokalpartie in dieser Saison kassierte Nice höchstens ein Gegentor, dazu gelangen zwei Zu-Null-Spiele in Serie im Wettbewerb. Für die Südfranzosen ist es die zweite Finalteilnahme in diesem Jahrzehnt; 2022 verloren sie ihr bisheriges Endspiel im Stade de France gegen Nantes mit 1:0.
Zwischen beiden Klubs liegt aber ein Widerspruch, der das Finale interessant macht. Lens kommt mit einer starken Liga-Saison und einem klaren Abschlussmoment in den Pokal, während Nice trotz schwacher Ligafom und der Aussicht auf eine Zwei-Spiele-Playoff gegen Saint-Etienne im Endspiel steht. Sage muss zudem möglicherweise ohne Régis Gurtner und Samson Baidoo auskommen, beide könnten wegen einer Hamstring-Strain fehlen; Jonathan Gradit ist wegen einer Verletzung am unteren Bein eher kein Thema. Für Lens bleibt damit der Weg zum ersten Coupe-de-France-Titel klar, aber alles andere als bequem: ein Klub mit langer Pokalgeschichte, einer guten Saison und viel Druck trifft auf einen Gegner, der im Wettbewerb fast nichts anbrennen ließ.

