Die Wiener Festwochen haben am Abend ihre 75. Ausgabe auf dem Heldenplatz eröffnet, und erstmals fand der Auftakt dort statt statt wie in früheren Jahren am Rathausplatz. Star des Abends war Patti Smith, die zusammen mit einem Programm aus Schmusechor, Streichquartett, Countertenor Steve Katona, Lara Hulo, Cari Cari, Maritschka Shtyrbulova und Witch Club Satan auftrat. Der Beginn war für 21.20 Uhr angesetzt, eröffnet wurde mit dem Hymnus Oh Wien; ORF2 wollte die Feier um 22.25 Uhr zeitversetzt live zeigen, auch in einer Fassung mit österreichischer Gebärdensprache.
Für Intendant Milo Rau sollte der Abend, wie er im Vorfeld sagte, nicht glatt und feierlich im engen Sinn werden, sondern „viel Action“ bieten, mit „Holzhammer und Kuscheln“ als bewusstem Kontrast. Dass Patti Smith die Eröffnung trägt, ist kein Zufall: Die 79-Jährige ist seit Jahrzehnten mehr als ein Rockname, verbunden mit Poesie, politischem Protest und einer Bühnenpräsenz, die in Wien schon im Theater Akzent und in der Arena zu sehen war. Genau diese Mischung machte sie zur prägenden Figur eines Auftakts, der sowohl als Konzert als auch als Setzung gelesen werden konnte.
Der Ort selbst veränderte den Ton des Abends. Heldenplatz ist politisch aufgeladen; dort wurden Kriege begonnen, dort wurde auch gegen Kriege protestiert. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler nannte ihn deshalb einen „unglaublich passenden Ort“ für das Motto „Republic of Gods“. Die Festwochen verließen damit den vertrauten Rathausplatz und stellten ihre Eröffnung sichtbar in einen Raum, in dem die Geschichte nicht bloß Kulisse ist, sondern mit im Bild steht.
Zwischen Musik und Inszenierung sorgte auch Braco für einen Reibungspunkt. Der esoterische Performer war Teil des Programms und sollte das Publikum zwischen den Beiträgen schweigend mit seinem Blick „dirigieren“. Rau kündigte zudem die „längsten Stille in der Geschichte des ORF“ an, ein Satz, der den Abend in Richtung Experiment schob und zugleich die Grenze zwischen Festakt, Performance und Provokation verwischte. Genau darin lag die Spannung dieses Auftakts: Er wollte feiern, aber nicht beruhigen.
Am Ende dürfte vor allem eines hängen bleiben: Die Wiener Festwochen haben ihre 75. Ausgabe nicht mit Routine begonnen, sondern mit einem Abend, der den neuen Spielort ernst nahm und die politische wie künstlerische Zuspitzung suchte. Wer wissen wollte, ob der Heldenplatz als Bühne tragen kann, bekam darauf eine klare Antwort: ja, und zwar nicht als bloßer Hintergrund, sondern als Teil der Aussage.

