Nach sechs schwierigen Verhandlungsrunden hat die Papierindustrie einen Kollektivvertragsabschluss erzielt. Die kollektivvertraglichen Mindestlöhne, -gehälter und Lehrlingseinkommen steigen rückwirkend mit 1. Mai um 2,4 Prozent.
Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA gaben die Einigung am Freitag bekannt. Die Inflation, die für die Runde maßgeblich war, lag bei 3,35 Prozent. Damit bleibt der Abschluss bei den Mindest- und Lehrlingseinkommen unter der Teuerung, auch wenn die tatsächlichen Löhne und Gehälter in der Branche um 1,8 Prozent plus 28 Euro steigen sollen.
Die Gewerkschaften beziffern diese Anhebung im Schnitt auf 2,5 Prozent. Für die niedrigsten Einkommen soll das Plus laut ihrer Darstellung bis zu 2,75 Prozent betragen. Damit fällt der Abschluss nicht gleichmäßig aus, sondern verteilt sich je nach Einkommensgruppe unterschiedlich. Das macht ihn für Beschäftigte mit kleinen Bezügen spürbar, während höhere Einkommen etwas weniger stark zulegen.
Wolfgang Cerne und Walter Kogler beschrieben die Gespräche als zäh und schwierig. Nach ihren Worten handelt es sich um einen sozialpartnerschaftlichen Kompromiss, der von beiden Seiten Zugeständnisse verlangte. Die Arbeitgeber seien sich erst nach den Betriebsversammlungen bewegt worden, sagten die Verhandler. Auch frühere Kampfmaßnahmen der Gewerkschaften hatten den Druck erhöht.
Der Abschluss zeigt, wie hart der Rahmen in dieser Runde war. Wer die Entwicklung bei Löhnen und Kaufkraft verfolgt, erkennt darin ein weiteres Zeichen dafür, dass Tarifgespräche in Österreich derzeit nicht mehr im ruhigen Modus laufen. Wer den politischen und wirtschaftlichen Druck im Land an anderer Stelle nachzeichnet, findet ähnliche Spannungen auch in Debatten wie bei Lanz Heute über die Bürgergeld-Reform oder in der Berichterstattung zu AfD-Werten und Merz unter Druck; selbst Themen wie Norisbank unter Druck und der Einstieg von Chase mit Tagesgeld in Deutschland zeigen, wie sensibel die Stimmung bei Geldfragen geworden ist.
Für die Beschäftigten ist damit vor allem eines entschieden: Der Abschluss steht, die Rückwirkung ab 1. Mai ist fix, und die Branche hat nach einem harten Ringen einen Vergleich gefunden, der von beiden Seiten Kompromisse verlangt hat.
