Die Brennerautobahn wird am Samstag, 30. Mai, von 11 bis 19 Uhr gesperrt. Die Brenner Sperrung betrifft die Autobahn, die Bundesstraße und alle Nebenstrecken in beide Richtungen, von Italien nach Österreich und umgekehrt.
Hinter der Aktion steht eine Demonstration gegen den explodierenden Verkehr am Brenner. Im vergangenen Jahr nutzten laut Autobahnbetreiber Asfinag fast 11 Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen die mautpflichtige Strecke. Bei den Lastwagen liegt der Zuwachs seit 2010 bei rund 40 Prozent, und genau diese Last drückt nach Angaben der Protestierenden immer stärker auf den Alltag im Tal.
Angemeldet wurde die Demonstration vom Bürgermeister von Gries am Brenner als Privatperson. Die Forderung der Teilnehmer ist mehr Lärmschutz, außerdem bringen sie immer wieder einen Tunnel ins Spiel. Der Bürgermeister beschreibt die Lage mit einem Satz, der im Ort hängen bleibt: Die Menschen kämen manchmal nicht einmal mehr über die Straße.
Der Brenner ist seit Tausenden von Jahren ein wichtiger Alpenpass für Reisende und Geschäftsleute. In den 1960er Jahren wurde die Brennerautobahn gebaut, 1963 ging die Europabrücke nahe der Mautstelle Schönberg in Betrieb. Mit ihren 190 Metern über Grund war sie zeitweise die höchste Brücke Europas. Heute ist die Strecke mit dem Pass selbst eng verknüpft, der auf 1.370 Metern der niedrigste Übergang zwischen Österreich und Italien ist.
Gerade deshalb trifft die Sperrung nicht nur den Durchgangsverkehr. Die Bundesstraße dient als Ausweichroute und belastet die Anwohner zusätzlich. Wer kleinere Straßen nutzen will, muss glaubhaft nachweisen können, dass er zum Ziel- oder Quellverkehr gehört. Radfahrerinnen und Radfahrer dürfen die Landstraße nutzen.
Auf Tirols Landesgrenzen sollen am Tag der Blockade bereits Verkehrskontrollen stattfinden. Für den Fall extremer Verkehrsbehinderungen, die die Versorgungssicherheit gefährden, ist eine Dosierung des Einreiseverkehrs vorgesehen. Am Brenner selbst soll das Durchfahrtsverbot streng überwacht werden. Das Auswärtige Amt weist auf seiner Homepage darauf hin, dass wegen der Sperrung Verkehrsbehinderungen in ganz Tirol zu erwarten seien, auch an den Tagen vor und nach dem 30. Mai.
Als westliche Ausweichrouten werden der Gotthard- und der San-Bernardino-Tunnel genannt. Auch dort dürfte sich der Verkehr stauen, während der Reschenpass zwar als Alternative gilt, aber wegen einer Baustelle belastet ist. Ganz entlastet wird die Region in den kommenden Wochen nicht: Am 27. Juni und am 1. August wird die Fernpassstraße jeweils von 10 bis 12 Uhr gesperrt. Die nächsten Demos am Brenner sind bereits angekündigt, und damit bleibt die Transitachse ein Ort, an dem Protest und Verkehr immer wieder direkt aufeinanderprallen.

