Lesen: Vivaldi Und Ich: Cecilia und das Schweigen hinter den Vorhängen

Vivaldi Und Ich: Cecilia und das Schweigen hinter den Vorhängen

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rückt in „“ nicht in den Mittelpunkt, sondern . Die junge Geigerin lebt seit ihrer Geburt im in Venedig, einem Mädchenwaisenhaus des 17. und 18. Jahrhunderts, und sucht mit geheimen Briefen an ihre unbekannte Mutter nach ihrer Herkunft.

Der Film führt in eine Stadt, in der begabte Mädchen Instrumente lernten und hinter Paravents oder Vorhängen auftraten, ohne vom Publikum gesehen zu werden. Cecilia, eine hochbegabte Geigerin, verkörpert genau diese unsichtbare Disziplin: musikalisch gefördert, aber sozial abgeschirmt. Michelettos Film ist damit weniger eine klassische Vivaldi-Biografie als ein Coming-of-Age-Drama mit historischem Echo.

Das Gewicht dieser Perspektive liegt auch darin, dass Vivaldi selbst nur am Rand als Legende erscheint. Sein bekanntestes Werk sind die „Vier Jahreszeiten“, doch sein Ende im Jahr 1741 war unspektakulär und bitter: Er starb arm, allein und an einer Lungenerkrankung. Der Kontrast zwischen dem berühmten Komponisten und dem Schicksal eines Mädchens, das sich erst ein Bild von sich selbst erkämpfen muss, gibt dem Film seine eigentliche Spannung.

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Hinzu kommt die Gegenwart des Themas. Frauen durften in venezianischen Waisenhäusern musizieren, aber sie sollten nicht gesehen werden; auch im modernen Musikleben dauerte es lange, bis Frauen institutionell sichtbar wurden. Die nahmen 1982 mit ihre erste Frau auf, und erst 2023 wurde dort die erste Konzertmeisterin. Micheletto stellt diese Geschichte der Unsichtbarkeit gegen eine Gegenwart, in der Anerkennung zwar möglich, aber nie selbstverständlich ist.

Der Regisseur sagt selbst über die Resonanz auf den Film, sein Sohn habe gemeint, er finde „den Film ganz okay“. Das klingt beiläufig, passt aber zu einem Werk, das bewusst nicht auf große Gesten setzt. „Vivaldi und ich“ hat bereits Preise in Rom, Chicago und Toulouse gewonnen, und genau darin liegt seine Stärke: Der Film will nicht Vivaldi neu erfinden, sondern Cecilia aus dem Schatten holen. Am Ende beantwortet er die Frage, die er am stärksten stellt, selbst: Wer gesehen wird, bestimmt oft erst, wer überhaupt eine Geschichte haben darf.

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