Deutschland gilt nach offiziellen Sicherheitsvorkehrungen als eines der Länder mit der zuverlässigsten Stromversorgung in Europa. Trotzdem warnen Fachleute: Ein großflächiger Stromausfall ist zwar äußerst unwahrscheinlich, ein zeitlich begrenzter, krisenhafter Ausfall in bestimmten Regionen aber nicht vollständig ausgeschlossen.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sagte, ein großflächiger Stromausfall in Deutschland sei äußerst unwahrscheinlich. Auch die Bundesnetzagentur verweist auf ein mehrfach redundant aufgebautes Energiesystem mit zahlreichen Sicherungsmechanismen, die einen völligen Zusammenbruch des Übertragungsnetzes verhindern sollen. Die nüchterne Einordnung steht jedoch neben einer anderen Einschätzung: Kai Hufendiek sagte, das Risiko für einen Blackout steige stetig. Er sprach von einer angespannten Lage. „Beim Auto gilt auch, wer einen heißen Reifen fährt, hat ein höheres Risiko, dass es kracht. Und wir fahren jetzt mit unserem System in Bereiche, in denen wir weniger Reserven haben“, sagte er.
Der Hintergrund ist ein Netz, das unter Druck geraten kann, wenn Angebot und Verbrauch zu stark auseinanderlaufen. Blackout bedeutet dabei nicht einen kurzen Ausfall in einem Viertel oder einer Stadt, sondern den flächendeckenden Zusammenbruch der Stromversorgung über mehrere Tage oder gar Wochen. Genau davor schützen die deutschen Behörden mit einer Reihe von Sicherheitsmaßnahmen. Nach einem Stresstest der Übertragungsnetzbetreiber blieb trotzdem ein Warnhinweis stehen: Die Versorgungssituation sei angespannt, und in einer Notsituation müsse ein kontrollierter Brownout durchgeführt werden, also eine gezielte Abschaltung in bestimmten Bereichen, um das System stabil zu halten.
Die größte Sorge richtet sich auf Situationen, in denen das Netz durch unerwartete Schwankungen aus dem Takt gerät. Kommt es zu starken Ausschlägen, kann es zusammenbrechen. Ein Auslöser könnte laut den vorliegenden Angaben auch ein punktuell unerwartet hoher Stromverbrauch sein. Hufendiek sagte zudem, die fehlende stabile Gasversorgung könne selbst zu einem Risiko für ein sicheres Stromnetz werden. Durch den Gasmangel und die Ausfälle in Frankreich seien die Erzeugungskapazitäten jetzt in bestimmten Zeiten knapp, weshalb einzelne Stromausfälle wahrscheinlicher seien als in den Jahren zuvor. Damit verschiebt sich die Debatte weg von der Frage, ob Deutschland morgen im Dunkeln sitzt, hin zu der viel konkreteren Frage, wie verletzlich einzelne Regionen in stressigen Phasen werden können.
Genau das macht die Lage politisch und praktisch heikel: Ein kompletter Blackout bleibt nach Ansicht der Behörden äußerst unwahrscheinlich, aber die Versuchsanordnung des Winters und der europäischen Energieknappheit zeigt, dass Stromausfälle punktuell und zeitlich begrenzt eher denkbar geworden sind. Für die Bevölkerung heißt das nicht Panik, sondern ein Netz, das zwar robust bleibt, aber weniger Spielraum hat, wenn mehrere Störungen zusammenkommen.

