Lesen: Rente im Fokus: NRW meldet mehr ältere Menschen in der Grundsicherung

Rente im Fokus: NRW meldet mehr ältere Menschen in der Grundsicherung

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Mehr als 200.000 Rentnerinnen und Rentner in Nordrhein-Westfalen beziehen inzwischen Grundsicherung im Alter. Gleichzeitig weist das Statistische Landesamt in NRW für die über 65-Jährigen eine Armutsgefährdungsquote von 17,9 Prozent aus – und genau darüber entbrennt jetzt der Streit um die richtige Messung von Altersarmut.

Das hält den reinen Blick auf das Einkommen für zu eng. Nach seiner Berechnung liegt die Armutsgefährdungsquote der Altersrentner bei elf Prozent statt 17,8 Prozent. Der Unterschied ist groß genug, um die Debatte über die Rente neu zu vermessen, weil das IW Vermögen stärker einbezieht als die übliche Statistik, die als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat.

Ausgelöst wurde die neue Runde durch einen Beitrag des WDR vom 20.05.2026, ausgestrahlt in der Sendung , Wirtschaftsmagazin, um 13:35 Uhr. Die Zahlen fallen in eine Zeit, in der die Frage nach der Finanzierung des Alterseinkommens ohnehin unter Druck steht. Die will das Rentensystem mit Vorschlägen wie Boomer-Soli, Aktienrente oder längerer Lebensarbeitszeit reformieren. In dieser Lage bekommt jede neue Studie besonderes Gewicht, weil sie nicht nur beschreibt, wie viele Menschen knapp über oder unter einer Grenze leben, sondern auch, wie Politik Armut überhaupt messen soll.

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Das IW argumentiert, dass Vermögen in der bisherigen Messung des Armutsrisikos nicht ausreichend berücksichtigt werde. Laut Daten der verfügen Rentner-Haushalte in Deutschland im Durchschnitt über ein Nettovermögen von rund 313.000 Euro. sagt dazu, dieses Vermögen sichere den Lebensstandard auch bei kleinen Renten. Das WSI widerspricht diesem Bild deutlich. betont, dass Vermögen im Alter für viele Menschen eher als Sicherheit und nicht zum Bestreiten des Lebensstandards dient. Ihre Kritik zielt auf einen blinden Fleck der Debatte: Wer ein Eigenheim, Ersparnisse oder Rücklagen besitzt, ist damit nicht automatisch vor finanzieller Enge im Alltag geschützt.

Genau dort liegt die Spannung zwischen den Zahlen. In Nordrhein-Westfalen steigt die Zahl der älteren Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, seit Jahren. Zugleich gibt es nach Einschätzung von Fachleuten ein nicht unerhebliches Dunkelfeld, weil manche Betroffene aus Scham keine Leistungen beantragen. Die offizielle Statistik zeigt also nur einen Teil der Lage. Die Vermögensdaten der Bundesbank zeigen einen anderen Teil. Und beide zusammen sagen noch immer nicht, wie sicher das Alter für Millionen Menschen tatsächlich ist. Wer die Rente reformieren will, muss deshalb nicht nur an Beitragssätzen und Lebensarbeitszeit drehen, sondern auch an der Frage, ob die Maßstäbe der Armutsmessung zur Wirklichkeit im Alter passen.

Bis 19.05.2028 dürfte genau dieser Streit weitergehen: zwischen der Statistik des Einkommens, der Rolle des Vermögens und der Frage, wie viel Schutz eine Grundsicherung im Alter am Ende wirklich bietet.

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