Donald Trump und Benjamin Netanjahu sind einem Bericht zufolge in einem Telefonat über das weitere Vorgehen gegen Iran aneinandergeraten. Die Auseinandersetzung am Dienstag drehte sich um die Frage, ob der Druck auf Teheran mit Verhandlungen oder mit neuer Gewalt fortgesetzt werden soll.
Axios und das berichteten unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen über den Streit. Eine Quelle sagte Axios, Netanjahu sei nach dem Gespräch am Dienstag „in Aufruhr gewesen, ihm habe der Kopf geraucht“. Der israelische Regierungschef gilt seit Tagen als skeptisch gegenüber den Gesprächen und will nach Darstellung der Berichte den Krieg wieder aufnehmen, der Ende Februar gemeinsam begonnen haben soll.
Das Gewicht dieser Eskalation liegt auch darin, dass sie inmitten einer sehr konkreten Frist stattfindet. Trump hatte am Dienstag in Washington gesagt, er hoffe zwar, dass man keinen Krieg führen müsse, man könne Iran aber womöglich erneut angreifen. Er setzte zugleich eine Frist von mehreren Tagen, um zu sehen, ob mit Teheran eine Einigung erzielt werden könne, die den Krieg beendet. Am Mittwoch sprach er vor Journalisten von der „Endphase“ beim Iran und nannte Netanjahu einen „sehr guten Mann“. Zugleich sagte er: „Er wird tun, was immer ich von ihm verlange.“
Hinter dem Streit steht ein neuer diplomatischer Vorstoß. Katar und Pakistan hatten gemeinsam mit anderen Partnern einen überarbeiteten Friedensvorschlag vorgelegt, um die Differenzen zwischen den USA und Iran zu überbrücken. Trump hatte erst kürzlich erklärt, er verschiebe einen neuen Angriff auf Iran, weil ernsthafte Verhandlungen liefen. Netanjahu sieht diese Gespräche den Berichten zufolge mit großem Misstrauen. Die israelische Armee machte unterdessen klar, dass sie bereit sei, Angriffe wieder aufzunehmen. IDF-Chef Ejal Samir sagte bei einem Treffen von Kommandeuren: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist die IDF in höchster Alarmbereitschaft und auf jede Entwicklung vorbereitet.“
Die Spannung endet nicht an Israels Grenzen. Mohammed Bagher Ghalibaf, der Sprecher des iranischen Parlaments, sagte, die offenen und verdeckten Bewegungen des Feindes zeigten, dass er eine neue Runde des Krieges anstrebe. Die Revolutionsgarden warnten, ihre vernichtenden Angriffe würden die Gegner zerstören, falls die USA und Israel erneut zuschlügen. Damit prallen am selben Tag zwei Botschaften aufeinander: Washington spricht von einer möglichen Einigung in den nächsten Tagen, Teheran rechnet öffentlich mit einem neuen Schlag, und Israel hält die militärische Option offen.
Das macht den Iran Krieg in diesen Stunden weniger zu einer Debatte über Absichten als über Zeit. Entweder tragen die Gespräche in wenigen Tagen oder die Drohungen kippen in einen neuen Angriff — und genau darauf scheinen sich alle Seiten bereits einzustellen.

