Jürgen Klinsmann und Joachim Löw suchten vor der WM 2006 Rückhalt bei Angela Merkel, als die Kritik an ihrer Arbeit immer schärfer wurde. In einer neuen ZDF-Dokumentation über das Sommermärchen wird ein Treffen im Kanzleramt beschrieben, bei dem die damalige Bundeskanzlerin die Problemzonen der beiden direkt ansprach.
Klinsmann übernahm die deutsche Nationalmannschaft 2004, als das Team im Sommer als am Boden beschrieben wurde. Doch seine radikalen und neuen Trainingsmethoden brachten ihn rasch gegen das Establishment, und drei Monate vor der Weltmeisterschaft stand er besonders im Fokus der öffentlichen Kritik. Löw sagte, die beiden hätten Merkel gefragt, was sie in so einer Lage machen würde und wie sie mit den Medien umgeht. Klinsmann sagte, Merkel habe sofort verstanden, wo die Probleme des Trainerduos lagen.
Die Szene ist deshalb mehr als eine Anekdote aus der WM-Vergangenheit. Sie zeigt, wie groß der Druck auf Klinsmann damals war und wie stark die mediale Stimmung die Debatte um seine Personalentscheidungen und Methoden bestimmte. Merkel habe dann auch ein Gespräch mit der Führungsgruppe von Springer-Verlag arrangiert, sagte Klinsmann. Außerdem präsentierten Klinsmann und Löw ihr WM-2006-Konzept vor Chefredakteuren in der Toskana.
Nach Löws Darstellung war vor allem Klinsmann das Ziel der Kritik. „Der Jürgen war am häufigsten im Fokus. Wenn man drei Monate vor einer WM so negativ dargestellt wird, das macht ja schon was mit einem“, sagte er. Auch Tim Frohwein schilderte in dem Zusammenhang, dass die Bild seine Methoden und Personalentscheidungen immer wieder infrage stellte und damit die öffentliche Kritik an Klinsmann zusätzlich anheizte.
Dass sich der Ton nach der Intervention änderte, macht den Kern der Episode aus. Ausgerechnet kurz vor dem Turnier, als die öffentliche Unterstützung für das Team besonders wichtig war, suchten die Verantwortlichen den direkten Draht zu Politik und Verlagsspitze. Die neue Dokumentation legt damit nahe, dass nicht nur sportliche Resultate, sondern auch der Umgang mit Öffentlichkeit und Medien die Ausgangslage für die WM 2006 prägte.

