Deniz Undav hat Harry Kane vor dem DFB-Pokal-Finale als den Stürmer mit der größeren Ruhe vor dem Tor beschrieben und zugleich eingeräumt, dass ihm selbst etwas von dieser Gelassenheit fehlen würde. Der 29-Jährige sagte, er sei gut im Kombinieren und Vorbereiten, während Kane in engen Momenten genau die Kälte habe, die einen Torjäger auszeichne.
„Ich bin gut am Ball und bei Assists“, sagte Undav über seine eigene Spielweise. Über Kane sagte er: „Aber er hat wirklich Ruhe vor dem Tor. Diese gnadenlose Effizienz.“ Besonders aufgefallen sei ihm, wie der 32-Jährige bei jedem Abschluss kurz innehält, einen schnellen Atemzug nimmt und dann schießt. „Diese Ruhe vor dem Tor ist für einen Stürmer entscheidend, weil sie seine Schüsse genauer macht“, sagte Undav. „Wenn man das jeden Tag übt, wird man eiskalt, und wenn ich auch nur ein bisschen davon hätte, würde ich mehr Tore schießen.“
Die Worte fallen in eine Saison, in der Kane die Bundesliga erneut dominierte. Seit seinem Wechsel nach München war er drei Jahre in Folge bester Torschütze der Liga, in dieser Spielzeit kam er auf 58 Tore in 50 Einsätzen in allen Wettbewerben und auf 36 Bundesliga-Tore. Undav landete mit 19 Treffern auf Platz zwei der Torschützenliste, steuerte in 45 Pflichtspielen für den VfB Stuttgart zudem 14 Assists bei und war einer der Gründe, warum der Club sich für die Champions League qualifizierte.
Genau deshalb bekam das Duell mit Bayern München am Samstag im DFB-Pokal-Finale im Berliner Olympiastadion einen besonderen Unterton. Stuttgart reiste als Außenseiter an, und Undav sagte das auch offen: „Es gibt einen klaren Favoriten, und das ist der FC Bayern. Das muss man nicht anders darstellen, aber in einem einzigen Spiel kann alles passieren.“ Trotzdem sei die Mannschaft vorbereitet. „Wir bereiten uns gut vor; wir wissen, wie gut Bayern ist. Wir wissen, dass wir sie stören können, wir können sie aus dem Takt bringen“, sagte er.
Undav würde einen Sieg nicht nur sportlich feiern. „Wenn wir gewinnen, gibt es für alle einen Kebab. Da führt kein Weg dran vorbei“, sagte er und kündigte an, sich vorher noch ein paar YouTube-Videos zu den fünf besten Kebab-Läden in Berlin anzusehen, um die besten auszuwählen. Der lockere Ton passt zu einer Woche, in der Stuttgart einerseits auf den größten Titelgewinn seit langem hoffte und andererseits auf eine Auszeichnung achtete, die für den Angreifer fast ebenso wichtig ist wie ein Pokal.
Am Donnerstag wollte Julian Nagelsmann seinen Kader für die WM 2026 bekanntgeben, und Undav machte keinen Hehl daraus, wie sehr ihn eine Nominierung treffen würde. „Wenn ich nominiert werde, wäre ich überglücklich“, sagte er. „Nichts ist besser, als für sein Land zu spielen; das war immer mein Ziel. Bei der Europameisterschaft war ich schon überglücklich, auch wenn es nur sieben Minuten waren.“ Undav hatte im März 2024 sein erstes von sieben Länderspielen absolviert und beim 2:0 gegen Frankreich in der Startelf gestanden. Bei der Europameisterschaft kam er beim 2:0-Gruppensieg gegen Ungarn für sieben Minuten zum Einsatz.
Zwischen diesen beiden Linien — dem Pokalfinale und der WM-Berufung — liegt das eigentliche Bild dieses Frühlings für Undav. Er hat sich in Stuttgart nicht nur als Torschütze, sondern auch als Vorbereiter etabliert. Jetzt wartet er darauf, ob seine Saison mit einem Titel, einer Nationalelf-Nachricht oder im besten Fall mit beidem gekrönt wird.

