Panini wird nach Angaben seiner Lizenzchefin Elisabetta Mussini derzeit von Prominenten angerufen, die beim italienischen Sticker- und Albenhersteller in Modena um das offizielle Sammelalbum für die kommende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada bitten — kostenlos. Einige dieser Anrufer hätten laut Mussini sogar erklärt, sie hätten genug Geld, um die Firma zu kaufen.
Mussini nannte die Anfragen einen Ausdruck des eigenen Erfolgs des Unternehmens. Panini hält seit Jahren die exklusiven Lizenzrechte für die WM-Sticker und hat das Geschäft um genau diese Sammelbilder und Alben aufgebaut. Das offizielle Album für das Turnier umfasst 980 Sticker.
Die Wucht dieses Markts zeigt sich auch in den Zahlen, die Panini selbst nennt: Nach Schätzung des Unternehmens gibt es weltweit mehr als 100 Millionen Sammler. Laut einem Bericht des US-Portals The Athletic kalkulieren die Italiener in diesem Jahr mit Einnahmen von mehr als 1,2 Milliarden Euro mit ihren WM-Stickern und Sammelkarten. Für das Turnier 2030 sollen es 1,3 Milliarden Euro werden.
Panini ist damit längst mehr als ein Hersteller von Papier und Klebstoff. Für viele Fußballfans gehört das Album zur WM wie das erste Spiel, die Nationalhymnen oder die Debatte über die Favoriten. Genau darauf stützt sich das Geschäft: auf Knappheit, Ritual und den Reiz, die letzte fehlende Figur aus dem Umschlag zu ziehen.
Ganz sauber läuft der Kult aber nicht immer. Mussini erinnerte an einen früheren Fall, in dem Panini einem spanischen Nationalspieler versehentlich ein vollständig beklebtes Album geschickt hatte. Der Spieler meldete sich demnach sofort zurück und verlangte eine neue Sendung mit einzelnen Stickern, weil er sie unbedingt selbst einkleben wollte. „Wir haben das mal bei einem spanischen Nationalspieler gemacht, der sich dann umgehend meldete und eine neue Sendung verlangte, mit separaten Stickern – er wollte sie unbedingt selbst einkleben“, sagte Mussini.
Bemerkenswert ist, dass Panini zu den vom US-Portal genannten Finanzzahlen keine Stellung nahm. Gerade das passt zu einem Unternehmen, das seine Marke seit Jahrzehnten um die WM organisiert und dessen Produkte inzwischen so begehrt sind, dass selbst Prominente im Wartestand anrufen. Für den Sammelstart vor dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada dürfte das die Nachfrage nur weiter anheizen.

