In Bayern ist erneut ein Mensch an den Folgen einer Bornavirus-Infektion gestorben. Der Erreger wurde in Augsburg nachgewiesen, nachdem bereits Ende April im Unterallgäu ein tödlicher Fall registriert worden war.
Damit rückt eine Krankheit wieder in den Blick, die in Deutschland nur in sehr wenigen Fällen auftaucht. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts werden bundesweit pro Jahr nur etwa fünf bis zehn Bornavirus-Fälle registriert, die meisten davon in Bayern.
Für die Betroffenen verläuft die Infektion fast immer schwer. Das Bornavirus kann beim Menschen eine schwere Entzündung des Gehirns auslösen, und Infektionen enden in der Regel tödlich. Eine wirksame Therapie gibt es nicht, ebenso wenig einen Impfstoff.
Besonders tückisch ist, dass die Krankheit lange unbemerkt bleiben kann. Zunächst treten oft unspezifische Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. Erst später kommen innerhalb von Tagen oder Wochen neurologische Ausfälle hinzu, etwa Sprachstörungen oder Gangstörungen.
Der Virologe Karl Dichtl beschreibt das Bornavirus in einer Einordnung als nah verwandt mit Erregern wie Masern und Mumps. Dann komme, so Dichtl, der unerfreuliche Teil: Wenn die typischen Symptome da seien und der Verdacht in Richtung einer Bornavirus-Infektion gehe, befinde man sich meist bereits in einem Stadium, in dem die Erkrankung zum größten Teil tödlich verlaufe.
Als Hauptüberträger gilt die Feldspitzmaus. Das Tier lebt vor allem in ländlichen Gebieten, in Gärten und Wäldern, ist nachtaktiv und gehört zu den Insektenfressern. Es kann das Virus dauerhaft tragen, ohne selbst zu erkranken. Direkte Begegnungen zwischen Feldspitzmaus und Mensch sind eher selten, doch auf Bauernhöfen können sich die Lebensräume von Mensch und Tier überschneiden.
Genau diese Seltenheit macht die jüngsten Fälle in Bayern bemerkenswert. Das Robert Koch-Institut zählt Bornavirus zu den seltensten Krankheiten überhaupt; in Deutschland liegt die Zahl der Fälle nach den verfügbaren Daten unter einem Prozent vieler anderer meldepflichtiger Infektionen und bleibt damit eine medizinische Ausnahme. Für Gesundheitsbehörden und Kliniken bedeutet das vor allem eines: Bei unklaren neurologischen Symptomen muss die Diagnose schnell in Betracht gezogen werden, auch wenn sie nur sehr selten zutrifft.
Der nun gemeldete Todesfall in Bayern folgt nur wenige Wochen auf den Fall aus dem Unterallgäu. Für die Region ist das ein ungewöhnliches und ernüchterndes Muster, weil sich die beiden tödlichen Infektionen in kurzer Folge ereignet haben. Die zentrale offene Frage ist deshalb nicht, ob Bornavirus selten bleibt. Das wird es wohl. Entscheidend ist, ob Ärzte bei frühen Warnzeichen künftig schneller an die Krankheit denken und so die wenigen Chancen nutzen, die es überhaupt gibt.

