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Eliog beantragt Insolvenz in Selbstverwaltung: 74 Jobs und Investorensuche

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Der Thüringer Maschinenbau-Spezialist hat beim Insolvenz in Selbstverwaltung beantragt. Das Unternehmen gilt als Weltmarktführer für Spezialöfen für die Automobilindustrie.

Zum Sanierungsgeschäftsführer wurde bestellt. Er sagte, sein Ziel sei es, „die Substanz des Unternehmens erhalten“. Die Neuaufstellung solle mit Hilfe eines Investors gelingen. Eliog kommt auf 74 Beschäftigte, deren Löhne und Gehälter nach Angaben des Unternehmens zunächst noch bis zum nächsten Monat über staatliches Insolvenzgeld gesichert sind. Was danach passiert, ist völlig offen.

Mairiedl begründete den Schritt mit einer Zuspitzung der Lage: Eliog könne offene Forderungen und Verbindlichkeiten nicht mehr fristgerecht oder vollständig bedienen. Das Unternehmen wird nach seinen Angaben hart von der schwachen Nachfrage getroffen. Kunden kürzen Bestellungen, verschieben sie ins kommende Jahr oder stornierten sie ganz. Für einen Hersteller von Industrieöfen ist das ein unmittelbarer Schlag, weil solche Anlagen meist lange Vorlaufzeiten, teure Komponenten und planbare Investitionen brauchen.

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Eliog blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Das Unternehmen wurde 1924 in Düsseldorf gegründet, verlagerte die Produktion nach schwerer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nach Römhild in Thüringen und führte den Betrieb in der DDR als volkseigenen Betrieb fort. Nach der deutschen Einheit geriet die Firma bereits einmal in Insolvenz. 2011 übernahm dann die familiengeführte aus Bayern das Unternehmen.

Zuletzt hatte Eliog auch abseits der Bilanz Probleme. Die geplante Errichtung eines neuen Standorts kam zum Stillstand, weil die zuständige Behörde eine Zufahrtsstraße nicht genehmigte. Eigentümerin machte damit vergangenes Jahr in einem tränenreichen Video auf LinkedIn auf sich aufmerksam und beklagte, hinter dem Projekt stünden Arbeitsplätze und Familien, bevor der Antrag mit dem Hinweis „Zufahrt nicht genehmigt“ liegen geblieben sei.

Im September besuchte Thüringens Ministerpräsident den Betrieb. Der aktuelle Insolvenzantrag zeigt nun, dass die politische Aufmerksamkeit die wirtschaftliche Lage bisher nicht drehen konnte. Entscheidend wird sein, ob Eliog trotz der Schwäche im Auftragseingang einen Investor findet, der den Betrieb übernimmt, bevor die finanzielle Luft noch knapper wird.

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