Deutschland trifft am heutigen Sonntag um 20:20 Uhr in Zürich auf Lettland und bekommt bei der Eishockey-WM die erste echte Gelegenheit, nach dem Fehlstart gegen Finnland zu antworten. Das zweite Gruppenspiel kommt früh, und es kommt gegen einen Gegner, der selbst mit Rückenwind anreist.
Die deutsche Auswahl verlor zum Auftakt mit 1:3 gegen Finnland. Viel Zeit zur Einordnung blieb nicht, denn die WM läuft in engem Takt weiter und am Sonntag stehen in Zürich und Fribourg insgesamt sechs Spiele auf dem Programm. Für Deutschland geht es gegen ein lettisches Team, das mit einem 4:2 gegen die Schweiz gestartet ist und nun den nächsten Schritt machen will.
Nach dem Auftakt in Finnland liegt der Fokus der Deutschen auf zwei klaren Baustellen: der Chancenverwertung und der Arbeit in den Special Teams. Beides war schon gegen Finnland ein Thema, und beides wird gegen Lettland noch wichtiger, weil die Partie auf Details hinauslaufen dürfte. Roger Bader, der die Lettischen betreut, machte deutlich, wie er den Abend einschätzt: „Wir müssen mindestens so gut spielen wie heute, wenn wir sie schlagen wollen“. Er beschrieb den Gegner zudem als „unangenehmen“.
Gerade diese Einschätzung macht das Duell interessant. Lettland setzt auf die Generation Smits und will an die WM-Bronze von 2023 anknüpfen. Der 4:2-Erfolg gegen die Schweiz war dafür mehr als nur ein gelungener Auftakt. Er zeigte, dass die Mannschaft früh im Turnier Stabilität mit Druck verbinden kann. Deutschland bekommt es also nicht nur mit einem Gegner zu tun, der schon gepunktet hat, sondern mit einem Team, das sich in dieser WM als unbequem und schwer zu kontrollieren präsentieren will.
Die Konstellation ist auch deshalb scharf, weil am Sonntag mehrere Ergebnisse bereits den Ton gesetzt haben. Großbritannien verlor erst am Vormittag mit 1:5 gegen die USA, nachdem es zuvor schon gegen Österreich mit 2:5 unterlegen war. Die Slowakei setzte sich mit 2:1 gegen Norwegen durch. Italien startete mit einem 0:6 gegen Kanada in das Turnier, Schweden unterlag zum Auftakt Kanada mit 3:5, und Dänemark verlor gegen Tschechien mit 1:4. In dieser Turnierphase zählt jeder Punkt doppelt, weil sich das Feld schon früh sortiert.
Für Deutschland ist die Aufgabe deshalb klarer, als es der Spielplan vermuten lässt. Nach dem 1:3 gegen Finnland geht es nicht um große Worte, sondern um Präzision vor dem Tor und um mehr Konsequenz in Unterzahl und Überzahl. Gelingt das nicht, droht der Start in die WM schon nach zwei Spielen schwer zu werden. Gelingt es aber, kann das Spiel gegen Lettland zum ersten echten Wendepunkt werden.
Der Abend in Zürich wird damit mehr als ein weiteres Spiel im Kalender. Für Deutschland ist es ein Test, ob der Auftakt nur ein holpriger Beginn war oder der Hinweis auf tiefer liegende Probleme. Und für Lettland ist es die Chance, den Sieg gegen die Schweiz zu bestätigen und den Anspruch zu untermauern, auch bei dieser WM wieder weit zu kommen.

