KTM ist nach dem Crash auf dem Weg der Erholung, sagt Gottfried Neumeister. Der Firmenchef sprach von einer Phase, in der das Unternehmen wieder Tritt gefasst habe, und verwies auf einen ersten klaren Beweis: Im ersten Quartal verkaufte KTM mehr als doppelt so viele Motorräder wie ein Jahr zuvor.
Neumeister sagte, der Umsatz sei dabei sogar noch stärker gestiegen als die Stückzahlen. Zugleich habe KTM seine Motorräder mit weniger Rabatten verkauft als im Vorjahr. Das Unternehmen meldete zudem erstmals ein positives EBITDA. Ein positiver Nettoertrag sei in diesem Jahr aber nicht möglich, sagte er.
Für Neumeister zählt dieser Fortschritt auch deshalb, weil er das Vertrauen im Markt als intakt beschreibt. Dieses Vertrauen sei in den vergangenen 19 Monaten nie verschwunden, sagte er. Der Manager berichtete außerdem, KTM habe 2025 im Motorsport 29 Meisterschaften und Welttitel gewonnen. In diesem Jahr kamen der Sieg bei der Dakar-Rallye und der erste Weltmeistertitel hinzu. Er sagte dazu: „Wir können wirklich über Erfolge sprechen.“
Die Zahlen markieren einen deutlichen Bruch mit der Lage, in der sich KTM noch vor Kurzem befand. Zu Jahresbeginn musste der Konzern 500 Mitarbeiter abbauen. Neumeister stellte zugleich klar, dass die Sanierung nicht abgeschlossen ist. Das Unternehmen habe zwar bereits mehr als 100 Millionen Euro an Fixkosten eingespart, für 2026 seien weitere 100 Millionen Euro vorgesehen. „Wir werden garantiert weiter daran arbeiten, die Kosten zu senken“, sagte er.
Die Tiefe des Einschnitts wird an den Strukturen sichtbar, die Neumeister bei seinem Start vorfand. Als er vor rund eineinhalb Jahren nach Mattighofen kam, belasteten mehr als 44 Millionen Euro Fixkosten pro Monat das Geschäft. Die Gruppe war nach seinen Worten mit mehr als 90 Gesellschaften zu komplex aufgestellt und hatte zu viele Modelle im Programm, von denen einige nur 400 Einheiten im Jahr verkauften. Er sagte: „Der Patient musste stabilisiert werden.“
Genau dort liegt die Spannung in der KTM-Geschichte. Der Hersteller meldet wieder Verkäufe, Titel und erstmals positives EBITDA, doch die Sanierung verlangt weiter harte Einschnitte. Neumeister sagte auch, ohne die indischen Investoren würde es KTM heute nicht mehr geben. „Wären die Inder nicht eingestiegen, würde es KTM nicht mehr geben“, sagte er. Der Satz macht klar, wie knapp die Rettung ausfiel und warum die aktuelle Erholung erst der Anfang ist.
Hinzu kommt, dass KTM sich die Finanzierung zu sehr günstigen Bedingungen sichern konnte. Das verschafft dem Unternehmen Luft, während es die Kosten senkt und die Struktur vereinfacht. Neumeister beschreibt den Weg seit Monaten als langsame, aber messbare Stabilisierung. Er fährt dafür jeden Montag um 5.30 Uhr von Wien nach Mattighofen und will vor 9.00 Uhr im Werk sein. Das Bild passt zu einem Konzern, der nicht mehr um sein Überleben kämpft, aber noch immer daran arbeitet, wieder dauerhaft stabil zu werden.
