Der Rubel hat am 14. Mai weiter zugelegt und den Dollar auf 73,342 Rubel gedrückt. Zwei Tage zuvor hatte die Bank of Russia den Dollar bei 73,79 Rubel festgesetzt, zum ersten Mal seit dem 15. Februar 2023 wieder unter der Marke von 74 Rubel.
Für den Markt ist das mehr als eine technische Bewegung. Trading Economics berechnete, dass sich die russische Währung im vergangenen Monat um 4,15 Prozent und über zwölf Monate um 9,82 Prozent verteuert hat. Den Ausschlag gab zuletzt vor allem der starke Anstieg der Ölpreise nach dem Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Israel gegen Iran. Gleichzeitig sind die Abschläge auf russisches Öl in den vergangenen Monaten gesunken. berichtete, dass der Urals-Abschlag erst in der vergangenen Woche wieder zulegte, und zwar zum ersten Mal seit der Blockade der Straße von Hormus. Am vergangenen Freitag wurde Öl aus westlichen Häfen im Schnitt zu 80,61 Dollar je Barrel verkauft, 23,9 Dollar unter Brent.
Die Lage stützt den Rubel auch von innenpolitischer Seite. Das Finanzministerium hat den Kauf ausländischer Währung für Reserven vorübergehend ausgesetzt, während die Zentralbank den Leitzins bei 14,5 Prozent hält, um die Landeswährung zu stützen. Denis Morokhin sagte, alle aktuellen Faktoren arbeiteten derzeit zugunsten des Rubels: teures Öl, ein hoher Zins, schwache Nachfrage nach Devisen wegen stagnierender Importe und die Tatsache, dass das Finanzministerium keine großen Währungsbeträge für den Fonds kaufe. Nach seiner Einschätzung könnte Ende Mai noch mehr Stärke folgen, wenn Exporteure Steuern zahlen und Exporterlöse verkaufen.
Die Verbindung zwischen Öl und Rubel ist in diesen Tagen besonders eng. Höhere Einnahmen aus dem Export treffen auf geringe Importnachfrage, und genau diese Mischung hat die Währung nach oben getragen. Doch die Stabilität wirkt fragil. Morokhin sagte, das Bild könne sich ändern, wenn die Ölpreise nachgeben und das Finanzministerium wieder mehr Devisen kauft. Auch Jaroslaw Kabakow warnte, das Gleichgewicht aus hohen Exporterlösen und schwachen Importen könne schnell kippen, falls Öl infolge einer Deeskalation im Nahen Osten fällt.
Die eigentliche Zäsur könnte schon im Juni kommen. Bohdan Zvarych sagte, die Lage könne sich dann durch erhöhte Käufe von Fremdwährung im Rahmen der Haushaltsregel ändern. Danach werde der Rubel in der zweiten Jahreshälfte wohl zu einer allmählichen Abschwächung übergehen, gestützt von einer steigenden Nachfrage der Importeure bei stabilerer und später wieder anziehender Wirtschaftstätigkeit. Für den Moment aber bleibt die Richtung klar: Der Rubel profitiert von teurem Öl, einem hohen Zins und staatlicher Zurückhaltung am Devisenmarkt. Wie lange das anhält, hängt davon ab, ob die Ölpreise hoch bleiben und ob der Staat seine Käufe wirklich wieder aufnimmt.
