Lesen: Archäologie im Rheinland: Stefan Feuser sucht Spuren des römischen Alltags

Archäologie im Rheinland: Stefan Feuser sucht Spuren des römischen Alltags

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sucht im Rheinland nach Spuren eines Lebens, das vor fast 2.000 Jahren von Arbeit, Handel und Konsum geprägt war. Der Professor für Klassische Archäologie an der will mit seinem Team herausfinden, wie die Menschen dort in der Römerzeit lebten.

Feuser arbeitet dafür nicht nur mit Kelle und Pinsel. Er verbringt mehrere Wochen im Jahr im Feld, wo Spaten, Schaufeln, Kellen und Bürsten ebenso zum Einsatz kommen wie Vermessungsgerät, Drohne und Kamera. Schon vor Ort berechnet das Team mit leistungsstarken Laptops 3D-Modelle und nimmt zahlreiche Proben mit, darunter Holzkohle und Erde.

Für Feuser führt eine Linie von den Ausgrabungen direkt in den Alltag der römischen Provinz. In der Region gab es eine groß angelegte Töpfereiproduktion, deren Waren bis nach Großbritannien exportiert wurden. Die Brennöfen mussten mit Holz befeuert werden und erzeugten viel Rauch, weshalb die Produktion Spuren hinterlassen hat. Zugleich verweist Feuser darauf, dass die Menschen in jener Zeit ungewöhnlich viel konsumierten. Seine Frage ist deshalb nicht nur, was hergestellt wurde, sondern auch, warum der Mensch plötzlich immer mehr haben wollte.

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Mit der klassischen Vorstellung von Archäologie als bloßem Graben hat das nur noch am Rand zu tun. Heute lassen sich mit geophysikalischen Methoden tief unter die Erde blicken, ohne überhaupt zu graben, und menschliche Eingriffe erkennen. Moderne Lasertechnik macht Aufnahmen von oben möglich, während Laboren an Scherbenrückständen analysiert werden kann, ob einst Bier oder Olivenöl im Gefäß war. Auch Knochen verraten viel: was ein Mensch gegessen hat, ob er dort aufgewachsen ist, wo er starb, und damit auch, wie sich frühe Wanderungsbewegungen rekonstruieren lassen. Genanalysen ergänzen diese Arbeit.

Feuser sagt, nach einer Ausgrabung beginne die eigentliche Arbeit erst. Das Bild der Archäologie ist damit weiter geworden als die Suche nach alten Gegenständen. Es geht um Lebensweisen, Bewegungen und politische Fragen der Vergangenheit. Bei Feusers Projekt im Rheinland ist die Antwort schon klarer als die Methode: Die Römerzeit wird hier nicht über Herrscher oder Schlachten erzählt, sondern über Töpferöfen, Essgewohnheiten und die Spuren, die Menschen im Boden hinterlassen haben.

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