Lesen: Pete Parkkonen und die wachsende politische Last hinter dem ESC

Pete Parkkonen und die wachsende politische Last hinter dem ESC

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Fünf Länder haben sich in diesem Jahr vom zurückgezogen, und der Wettbewerb, der sich gern als Bühne für Pop jenseits der Politik versteht, steht damit einmal mehr im Zentrum eines Streits, der weit über die Musik hinausgeht. Gleichzeitig hat Israel nach dem Druck um seine Teilnahme 2024 und nach einer weltweiten Abstimmungskampagne 2025 gezeigt, wie sehr der ESC inzwischen auch als Instrument politischer Wirkung gelesen wird.

Die Abgänge kamen von Spanien, Irland, Slowenien, Island und den Niederlanden. Sie trafen einen Wettbewerb, den die organisiert und dessen Regeln seit Jahren immer wieder an den Grenzen zwischen Unterhaltung, Diplomatie und nationaler Selbstdarstellung getestet werden. Für Leser, die den ESC nur als schrille Frühlingsshow kennen, ist das der Punkt, an dem der Fall wirklich Gewicht bekommt: Es geht nicht mehr nur darum, wer den besten Refrain hat, sondern darum, wer überhaupt noch mitspielen will.

Die Spannungen haben eine Vorgeschichte. 2022 schloss die Europäische Rundfunkunion Russland aus dem Wettbewerb aus, nachdem Russland in die Ukraine einmarschiert war. Im selben Jahr gewann die Ukraine den ESC durch ein öffentliches Votum, das die überwältigende politische Unterstützung in ganz Europa widerspiegelte. Seitdem ist schwer zu behaupten, dass der Wettbewerb frei von geopolitischer Bedeutung wäre. Doch die Kontroverse um Israel hat diese Politisierung noch verschärft.

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Im vergangenen Jahr sagte der israelische Sender Kan zunächst, er werde nicht teilnehmen. Dann bat die Europäische Rundfunkunion Kan und die Songwriter des israelischen Beitrags, Texte zu ändern, weil sie nach ihrer Einschätzung auf den verwiesen. Israels Präsident mischte sich ein und setzte Kan unter Druck, die Entscheidung zu revidieren. Am Ende durfte Sängerin mit angepassten Texten antreten. Dass gerade dieser Ablauf sichtbar wurde, war für viele Kritiker der Beleg, wie fragil die Neutralität des Wettbewerbs geworden ist.

Die israelische Teilnahme der vergangenen drei Wettbewerbe hat Proteste und Boykotte ausgelöst. Bis zum vergangenen Jahr hatte kein europäischer Sender Israel offiziell von der Teilnahme ausgeschlossen. Zugleich war die Regierung von entschlossen, den ESC aus Gründen der Soft Power zu gewinnen. Eine diese Woche veröffentlichte Untersuchung der sagte, die israelische Regierung habe eine auffällige Kampagne zur Mobilisierung von Wählern in den vergangenen drei Jahren teilweise finanziert. Die Kampagne habe mindestens 1 Million Dollar gekostet, habe riesige Werbetafeln am Times Square und Direktnachrichten an Unterstützer umfasst. Die Europäische Rundfunkunion hat das Abstimmen inzwischen für die ganze Welt geöffnet, auch für Amerikaner. Netanjahu schrieb 2025 auf Instagram an seine Unterstützer, sie sollten 20-mal für Israel stimmen. Israel landete am Ende auf Platz eins der öffentlichen Abstimmung in Europa.

Genau hier liegt der Widerspruch, den die Europäische Rundfunkunion nicht mehr kaschieren kann. Der ESC lebt von dem Anspruch, eine gemeinsame europäische Bühne zu sein, aber sein Abstimmungssystem erlaubt inzwischen Stimmen aus der ganzen Welt. Dass sich die EBU in einem Konflikt um Israel zugleich mit Boykotten, politischen Appellen und Vorwürfen des Missmanagements herumschlagen muss, zeigt, wie schwierig es geworden ist, zwischen Show und staatlicher Einflussnahme zu unterscheiden. Selbst frühere Teilnehmerinnen wie Noa sagen inzwischen offen, dass sie kulturelle Boykotte zwar grundsätzlich ablehnen, ihr eigenes Land in diesem Fall aber besser ferngeblieben wäre. Für , der in diesem europäischen Wettbewerb wie so viele andere Künstler auf Sichtbarkeit setzt, bleibt damit eine nüchterne Wahrheit: Beim ESC entscheidet längst nicht mehr nur die Musik, sondern auch, wer das politische Klima des Abends am geschicktesten nutzt.

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