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Moldavien: Bericht warnt vor russischer Einflussoperation vor Wahl

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Mehr als 200.000 Exemplare einer geheimen Gazette namens „Salt and Light“ wurden in Moldavien vor den Parlamentswahlen am 28. September 2025 verteilt. Zugleich reiste eine westliche konservative Delegation erst nach Moldau und danach nach Moskau, um eine Botschaft zu verbreiten, die orthodoxe Christen als angeblich verfolgt darstellte, weil sich das Land der Europäischen Union annähere.

Die nun veröffentlichte Untersuchung von beschreibt diese Kampagne als eine Mischung aus Religion und Politik, die über gedruckte Verbreitung und digitale Reichweite lief. In der Gazette führten QR-Codes zu Telegram, Facebook und TikTok, also zu drei sozialen Plattformen, auf denen die Botschaften weitergetragen werden konnten.

Im Zentrum der Delegation stand , ein US-Amerikaner, der in Russland lebt und seit Jahren enge Verbindungen zu russischen Kreisen und zur Russisch-Orthodoxen Kirche unterhält. Zu der Gruppe gehörten den Angaben zufolge Amerikaner, Briten und Kanadier mit Nähe zu , oder Breitbart. Bausman hatte zuvor versucht, Geld über Netzwerke zu beschaffen, die mit dem Oligarchen verbunden sind, der wegen seiner Rolle im Donbass sowohl von der Europäischen Union als auch von den USA sanktioniert ist.

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Der Bericht sagt, es gebe keine Belege für eine systematische Unterdrückung von Christen in Moldavien. Genau darin liegt nach Einschätzung von die eigentliche Brisanz des Falls: Das Land sei ein sehr aufschlussreiches Beispiel, weil sich dort auf einer Grauzone aus echter Überzeugung, realen Spannungen und politischer Instrumentalisierung alles überlagere. „On ne manipule plus seulement des informations, on mobilise les identités“, sagte Sarvela demnach sinngemäß über solche Kampagnen, die nicht mit offenkundigen Lügen arbeiteten, sondern mit einer verzerrten Lesart der Wirklichkeit.

Hinzu kommt die religiöse Struktur des Landes selbst. In Moldavien existieren das Moskauer Patriarchat und das Rumänische Patriarchat nebeneinander, und der Bericht beschreibt die als ordnende Kraft und als Vektor russischer Soft Power für den Kreml. Sarvela sagte außerdem, die genaue Größenordnung religiöser Einflussnahme in Europa sei noch nicht bekannt; gerade deshalb sei der Fall Moldau so wichtig, weil sich dort zeige, wie religiöse Identität für politische Zwecke umgedeutet werden kann.

Die Untersuchung ordnet Moldavien damit als Fallstudie für Wahlbeeinflussung ein, und zwar in einem Moment, in dem die geopolitische Ausrichtung des Landes gegenüber der Europäischen Union bereits unter Spannung steht. Dass die Kampagne vor einer Wahl mit hoher politischer Bedeutung lief und zugleich religiöse Gefühle, digitale Kanäle und ausländische Netzwerke verband, macht sie zu einem Warnsignal für andere europäische Staaten. Die größere Frage ist deshalb nicht, ob ein ähnliches Muster noch einmal auftaucht, sondern wo es als Nächstes politisch wirksam gemacht wird.

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