Søren Torpegaard Lund wird Dänemark beim Eurovision Song Contest 2026 vertreten. Der 26-Jährige gewann die dänische Vorentscheidung mit dem Popsong „Før vi går hjem“ und tritt damit im Mai in Wien an.
Der Sieg war deutlich. Lund setzte sich sowohl bei der Jury als auch beim Publikum durch und ließ damit die Favoritin Sissal hinter sich. Auf der Bühne will er den Song in einem gläsernen Kasten aufführen, der an ein Aquarium erinnert. Dazu kommt eine Choreografie mit Tanz in und um diese Box, eingebettet in eine clubartige Atmosphäre. Für Dänemark Esc ist das ein Auftritt, der sofort auf Wirkung zielt.
Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass Lund den Wettbewerb nicht als klassischer ESC-Profi gewinnt. Sein künstlerischer Hintergrund liegt vor allem im Musiktheater. Er stand bereits in Produktionen wie „Kinky Boots“ und „Tanz der Vampire“ auf der Bühne und spielte außerdem die Hauptrolle in „West Side Story“ an der Königlichen Dänischen Oper in Kopenhagen. Ausgebildet wurde er an der Danish School for Performing Arts, wo er damals der jüngste Student war. Dort lernte er auch seinen Verlobten kennen.
Für Lund ist die dänische Sprache selbst ein Teil des Konzepts. Der Sender DR zitierte ihn mit der Einschätzung, dass die Sprache eine Stärke für das Lied sei. Wenn nicht jedes Wort sofort verstanden werde, entstehe ein Geheimnis, sagte er, das perfekt zum Thema des Songs passe: Versuchung und das, was nach Mitternacht geschieht. „Før vi går hjem“ ist als Indie-Pop mit elektronischen Einflüssen angelegt und bleibt bewusst in Dänisch.
Dass Lund nun gewinnt, hat auch eine kleine Vorgeschichte. Bereits 2023 hatte er erstmals an der dänischen ESC-Vorentscheidung teilgenommen und damals gegen Reiley verloren. Drei Jahre später hat er sich nun gegen das Feld durchgesetzt und ausgerechnet die Favoritin Sissal geschlagen, die 2025 Dänemark beim Eurovision Song Contest vertreten hatte. Der Wechsel ist deutlich: vom Musical-Sänger zum ESC-Vertreter mit einem Lied, das weniger auf sofortige Verständlichkeit als auf Atmosphäre setzt.
Für Dänemark bedeutet das einen klaren Kurs in Richtung Eigenständigkeit. Lunds Sieg zeigt, dass die dänische Vorentscheidung in diesem Jahr nicht der vertrauten Eurovision-Formel folgte, sondern einem Auftritt mit eigener Sprache, eigener Bildwelt und einem Sänger, der seine stärkste Bühne nicht im Popgeschäft, sondern im Theater gefunden hat. Wenn Dänemark in Wien antritt, wird es nicht um ein vorsichtiges Abwägen gehen, sondern um einen Beitrag, der schon jetzt auf Eigenart setzt.

