Der ORF steht wieder dort, wo er seit Jahrzehnten steht: mitten im politischen Ringen um Einfluss, Ämter und Macht. Fast sicher ist Österreich schon bekannt, wer ab 15.5.2026 neuer Generaldirektor der Rundfunkanstalt wird.
Der Name fällt nicht zufällig. Clemens Pig würde der ÖVP passen, während die SPÖ im Gegenzug andere Direktionsposten besetzen dürfte. Der Kanzler verweist auf die Aufgabe des unabhängigen Stiftungsrats. Doch genau dieser Stiftungsrat gilt als Teil des Problems, nicht als Lösung.
Dass der Kampf um den ORF nicht abreißt, zeigt auch die Art, wie die Anstalt immer wieder zwischen Journalismus und politischer Verwertung zerrieben wird. Der ehemalige Generaldirektor Roland Weißmann, Pius Strobl und ORF-III-Chef Peter Schöber gelten als mächtige Manager in einem System, das Macht über Inhalte nicht sauber trennt. Und dass Werbefilme als journalistische Produkte in das öffentlich-rechtliche Programm geschmuggelt wurden, hat den Missbrauch noch einmal offen vor Augen geführt.
Der Befund reicht aber weit über ein Personalpoker hinaus. Der ORF ist ein wackliger Gigant, gegründet, geformt und gebunden an eine andere Zeit. Das aktuelle Modell hat jene Verwerfungen hervorgebracht, die nun überwunden werden müssten. Mehr als drei Jahrzehnte nachdem Gerhard Polt spöttisch davon sprach, man brauche seine eigene Radiostation und seine eigene Zeitung, ist die Pointe in Österreich bitter ernst geworden.
Die ganze Nachrichtenlandschaft des Landes ist aus dem Gleichgewicht geraten. Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk unter parteipolitischer Proporzlogik bleibt, zieht das auch den Rest des Systems mit nach unten. Gerade deshalb drängen die Reformen, die den politischen Einfluss verringern sollen, nicht irgendwann, sondern jetzt. Plurale, unabhängige Medien sind das Fundament jeder liberalen Demokratie, und der ORF ist für Österreich zu groß, um weiter nach den Regeln einer vergangenen Republik geführt zu werden.
Ob der nächste Generaldirektor am Ende wirklich derjenige ist, den sich die Parteien bereits zurechtgelegt haben, ist deshalb nur die eine Frage. Die wichtigere ist, ob der politische Zugriff auf den ORF überhaupt noch einmal zurückgedrängt wird, bevor die nächste Besetzung das alte System nur neu lackiert.

