Valie Export ist tot. Die österreichische Künstlerin starb drei Tage vor ihrem 86. Geburtstag und hinterlässt ein Werk, das die feministische Performancekunst im Land über Generationen geprägt hat.
Sie galt als die bedeutendste noch lebende österreichische Künstlerin der Gegenwart. Export erhielt praktisch alle wichtigen Kunstpreise, nur der Große Österreichische Staatspreis wurde ihr nicht zugesprochen. Ihr Tod beendet eine Karriere, die weit über Österreich hinaus in die Kunstgeschichte eingegangen ist.
Geboren wurde Valie Export 1940 in Linz als Tochter einer Kriegerwitwe, zuvor war sie Schülerin eines Klosterinternats. Schon früh suchte sie nach Formen, die den Blick auf den weiblichen Körper und auf gesellschaftliche Machtverhältnisse verschieben. 1970 ließ sie sich in Frankfurt auf offener Bühne einen Steigbügelriemen in die Haut tätowieren. Das Motiv verstand sie als Zeichen der Selbstermächtigung und zugleich als Verweis auf ein vergangenes Leben in Unterwerfung. Das Foto, auf dem sie kniet, den Rock hochgezogen, das Tattoo sichtbar, wurde ikonisch.
In den folgenden Jahren wurde Export zu einer zentralen Figur der feministischen Avantgarde in Österreich. 1975 organisierte sie mit Magna die erste bahnbrechende Ausstellung von Künstlerinnen in der Galerie neben dem Stephansdom. 1980 vertrat sie gemeinsam mit Maria Lassnig den österreichischen Pavillon in Venedig. Mitte der Sechzigerjahre hatte sie gemeinsam mit Waltraud Lehner und Ingrid Wiener Teppiche für Hundertwasser gewebt, bevor sie sich mit eigener künstlerischer Handschrift endgültig durchsetzte.
Der Verlust trifft die Kunstszene an einem Tag, an dem ihr Einfluss noch einmal klar hervortritt. Noch zu ihrem 85. Geburtstag gab Export ein Interview und warnte darin Frauen vor einer gesellschaftlichen Gegenbewegung. „Wir müssen wachsam sein. Aufpassen, aufpassen, aufpassen“, sagte sie damals. Und sie fügte hinzu: „Ich glaube, dass die jungen Menschen erkennen werden, wie sie die Gesellschaft ändern müssen, damit sie für sie funktioniert.“
Gerade darin liegt die Größe ihres Erbes: Export war nicht nur eine Ikone der Performancekunst, sondern eine Künstlerin, die ihre Arbeit immer als Eingriff in die Gegenwart verstand. Ihr Tod schließt ein Kapitel der österreichischen Nachkriegskunst, aber die Bilder und Gesten, die sie hinterließ, bleiben Teil des kulturellen Gedächtnisses.

