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Valie Export ist tot: Pionierin der feministischen Kunst stirbt in Wien

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ist am Donnerstag in Wien gestorben, wenige Tage vor ihrem 86. Geburtstag. Die gab den Tod der Künstlerin gegenüber der APA bekannt.

Mit ihrem Tod verliert die Kunstwelt eine ihrer prägendsten Figuren. Export, am 17. Mai 1940 in Linz als geboren, wurde unter ihrem Künstlerinnennamen weltberühmt und beeinflusste Generationen von Künstlerinnen und Künstlern. Die Stiftung würdigte sie mit den Worten: „Wir trauern um eine herausragende Künstlerin, eine außergewöhnliche Persönlichkeit und um einen besonderen Menschen.“

Ihr Werk setzte früh dort an, wo Kunst, Körper und gesellschaftliche Normen aufeinanderprallten. Das erste Objekt von 1966 war eine Zigarettenpackung mit ihrem Porträt und dem an die Marke Smart Export angelehnten Namen. 1968 zeigte sie das , bei dem Passanten ihre nackten Brüste betasten konnten, und schuf die im Schritt offene Aktionshose Genitalpanik. Zwei Jahre später präsentierte sie in London ihre erste Videoarbeit Split Reality.

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Export war keine Randfigur, sondern eine zentrale Stimme feministischer Kunst. Nach ihrer Ausbildung nach der Klosterschule an der Kunstgewerbeschule in Linz wurde sie in Wien in den Kreisen rund um die , den und verortet. Im Umfeld des Wiener Aktionismus arbeitete sie mit Körperaktionen und Expanded-Cinema-Arbeiten, lehnte aber dessen Frauenbild ab. Gerade dieser Widerspruch machte sie so einflussreich: Sie nutzte die Mittel ihrer Zeit, um die Regeln dieser Zeit offen anzugreifen.

Die Stiftung hob hervor, dass im Mittelpunkt ihres Werkes die kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Normierung des weiblichen Körpers stand. Export nahm dabei, so die Stiftung, unerschrocken und kompromisslos intime, tabuisierte oder gesellschaftlich verdrängte Inhalte in den Blick. Das ist der Kern ihres Nachruhms ebenso wie ihrer Karriere: Ihre Arbeiten waren nicht bloß Provokationen, sondern Eingriffe in die Frage, wer den Körper einer Frau sehen, deuten und kontrollieren darf.

Auch ihre eigene Herkunft prägte diesen Zugriff. Export sagte einmal: „Ich bin in einem sogenannten Frauenhaushalt aufgewachsen.“ Über ihre Mutter sagte sie: „Meine Mutter war Kriegswitwe. Wir waren drei Schwestern, und unsere Mutter musste das Leben mit ihren drei Mädchen gestalten. Ihr Ziel war, dass jede ihrer Töchter studieren kann, um einen besseren Start zu haben und ihr eigenes Geld zu verdienen. Mit diesem Gedanken bin ich aufgewachsen und erzogen worden – und diesen Gedanken wollte ich weitergeben.“

Mit dem Tod in Wien endet kein abgeschlossenes Kapitel, sondern die Lebensgeschichte einer Künstlerin, deren Arbeiten weiterhin als Maßstab für feministische Kunst gelesen werden. Was bleibt, sind Bilder, die sich nicht glatt einordnen lassen, und ein Werk, das die Sicht auf den weiblichen Körper dauerhaft verändert hat.

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