Der FC Augsburg reist am 34. Bundesliga-Spieltag zu Union Berlin und hält sich weiter an die kleine Hoffnung auf die Conference League. Der Tabellenneunte mit 43 Punkten und einer Tordifferenz von minus 12 kann sich noch für Europa qualifizieren, wenn am Ende alles zusammenpasst.
Trainer Manuel Baum machte vor der Partie klar, wie eng der Spielraum ist. Wenn Augsburg gewinnt, sagte er, sei er guter Dinge, dass sein Team Tabellenplätze gutmachen könne. Zugleich stellte er klar: „Wir müssen uns selber helfen.“ Der FCA braucht also nicht nur sein eigenes Ergebnis in Berlin, sondern auch Schützenhilfe in den Parallelspielen.
Die Rechnung ist einfach und doch brutal. Augsburg muss am Ende Siebter werden, um in die Conference League einzuziehen. Frankfurt liegt wegen der besseren Tordifferenz von minus 4 vor dem FCA, Freiburg steht mit einem Punkt mehr und minus 9 ebenfalls vor den Schwaben. Gewinnt Augsburg und verlieren oder remisieren sowohl Frankfurt als auch Freiburg, zieht der FCA an beiden vorbei. Ein Remis könnte sogar reichen, wenn Frankfurt verliert und Freiburg mit mehr als drei Toren Unterschied unterliegt. Endet Freiburgs Niederlage genau bei drei Toren, entscheiden Tordifferenz und danach die erzielten Treffer. Dort liegt Freiburg mit 47:45 vorn, ehe bei völliger Gleichheit der direkte Vergleich für Augsburg spräche.
Für den Klub ist das mehr als eine Rechenaufgabe. Augsburg kann elf Jahre nach seinem ersten internationalen Auftritt noch einmal in den europäischen Wettbewerb zurückkehren. Der bisher einzige Lauf des Vereins führte in der Saison 2014/15 unter Markus Weinzierl in die Europa League, als der FCA als Fünfter abschloss, in einer Gruppe mit Athletic Bilbao, Partizan Belgrad und AZ Alkmaar neun Punkte holte und dann im Sechzehntelfinale an Liverpool scheiterte. Nach dem 0:0 im Heimspiel verlor Augsburg an der Anfield Road mit 0:1; das entscheidende Tor fiel damals per verwandeltem Handelfmeter von James Milner.
Genau darin liegt die besondere Schärfe dieses letzten Spieltags. Augsburg hat sich über Jahre nur ein einziges Mal auf europäisches Terrain vorgewagt, und selbst diese Reise endete vorzeitig gegen einen Gegner aus einer anderen Größenordnung. Jetzt steht der Verein wieder an einem Punkt, an dem ein Sieg allein nicht genügt. Baum sagte, er habe keine Frankfurter oder Freiburger Gegner in Stuttgart oder Leipzig kontaktiert, um sich Hilfe zu sichern. Der Satz passt zur Lage: Augsburg muss sich auf ein Ergebnis in Berlin konzentrieren und darauf hoffen, dass die anderen Tabellenplätze gleichzeitig in die richtige Richtung kippen.
Union Berlin ist als Zwölfter der Gastgeber für ein Spiel, das für Augsburg weit über drei Punkte hinausgeht. Für den FCA geht es um die Frage, ob ein Klub mit einer nahezu 100-jährigen Geschichte erst zum zweiten Mal in Europa auftauchen kann. Die Antwort hängt an einem Nachmittag, an einem eigenen Sieg und an Ergebnissen, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen. Genau das macht diesen 34. Spieltag für Augsburg zum entscheidenden.

