Korona Kielce und Widzew Łódź gehen mit jeweils 39 Punkten in ihr Duell am Freitag um 20.30 Uhr, und für beide Teams kann dieser Abend praktisch den Klassenerhalt bedeuten. Wer verliert, muss sich vor dem letzten Spieltag weiter um den Verbleib in der Ekstraklasa sorgen.
Für Koronas Trainer Jacek Zieliński ist die Lage eindeutig. „Ranga tego meczu warunkuje nasze nastawienie. Musimy być przygotowani na wojnę i walkę od pierwszej minuty“, sagte er vor der Partie und sprach von einem der zwei Finals, die seine Mannschaft noch vor sich habe. Zieliński ist überzeugt, dass ein Sieg die Kieler schon retten könnte. Gleichzeitig machte er deutlich, dass im Team niemand die Spannung überdrehen will. Man müsse mit den Spielern sprechen, sagte er sinngemäß, bestimmte Dinge dürfe man nicht schleifen lassen, man dürfe aber auch nicht zu viel Druck aufbauen und den Ballon nicht überladen.
Die Ausgangslage ist simpel und hart zugleich: Beide Klubs stehen vor dem Freitagsspiel nur einen Punkt über der Abstiegszone. Ein Erfolg würde in der Praxis fast sicher reichen, ein Rückschlag würde den Verlierer in den letzten Spieltag zwingen, noch einmal auf Ergebnisse anderer zu schauen. Dass diese Partie so schwer wiegt, passt zu einem Saisonfinale, in dem kleine Unterschiede über sehr viel entscheiden.
Korona kommt allerdings nicht mit Rückenwind in dieses Spiel. Die Mannschaft wartet seit sechs Ligapartien auf einen Sieg. Widzew dagegen hat sein vorheriges Ligaspiel deutlich gewonnen und reist mit neuem Selbstvertrauen an. Zieliński wollte das nicht überbewerten. Er sei nicht da, um Widzew zu beurteilen, sagte er. Trainer Vuković habe der Mannschaft neuen Schwung gegeben, sie habe wieder begonnen zu punkten, und der letzte Sieg habe Optimismus erzeugt. Das Spiel am Freitag werde aber ein anderes sein. Wenn Korona und Widzew aufeinandertreffen, habe das immer seine eigene Farbe und Temperatur.
Für Korona ist diese Art von Druck nichts Neues. Zieliński verwies darauf, dass die Kabine seit Langem an solche Begegnungen am Saisonende gewöhnt sei. Die Spieler hätten sich schon oft in Situationen wiedergefunden, in denen es bis zum Schluss um den Klassenerhalt ging. „Diese Kabine und diese Spieler“ seien daran gewöhnt, dass am Ende der Saison genau solche Spiele kämen, sagte er sinngemäß. Jeder habe sich andere Ziele vorgestellt, doch dieser verrückte Saisonverlauf habe dazu geführt, dass wieder bis zuletzt um den Ligaerhalt gespielt werde. Zieliński zeigte sich überzeugt, dass seine Mannschaft dafür bereit ist und in der Arbeit nie unter Druck zerbrochen sei.
Auch auf Statistiken legt der Trainer keinen großen Wert. Er wolle nicht auf Zahlen schauen, sagte er. Statistiken seien nett für Leute, die sich gern damit beschäftigen, entscheidend sei aber die tägliche Arbeit. Für Korona wird die statistische Lage ohnehin schon vor Anpfiff von außen begleitet: Mehrere Rechner beziffern die Abstiegschance des Klubs auf etwa 20 bis 25 Prozent. Auf dem Platz zählt davon am Freitag nur eines: ob Korona Kielce den ersten von zwei sogenannten Finals besteht.
Die Partie in Kielce ist damit mehr als ein weiteres Ligaspiel. Sie ist ein direkter Test dafür, ob Korona den Druck eines erneuten Saisonendspurts tragen kann. Und sie ist für Widzew die Chance, einen großen Schritt aus der Gefahrenzone zu machen, bevor der letzte Spieltag überhaupt begonnen hat.
