Anton Gavel kehrt mit Bamberg in den Playoffs zu seinem früheren Klub Ulm zurück. Der Trainer, der 2023 mit Ulm als Siebter die Meisterschaft holte, steht nun mit Bamberg vor einem Duell, das sportlich eng und emotional aufgeladen ist.
Bamberg geht als drittplatziertes Team der Hauptrunde in die Serie und bringt dafür eine Form mit, die in dieser Liga kaum jemand so stabil gespielt hat. Nach der Länderspielpause gewann die Mannschaft 12 von 13 Partien, beendete die reguläre Saison mit sieben Siegen in Serie und schlug Bonn zum Abschluss zu Hause mit 102:83. Unter dem Dach der Brose Arena wurde danach auch Karsten Taddas Trikot geehrt. Ulm kam dagegen mit einem 103:64 in Frankfurt ins Ziel, aber die Bilanz der vergangenen Wochen war deutlich wackliger: nur vier Siege aus den letzten zehn Spielen und insgesamt nur sieben Auswärtssiege in der Hauptrunde.
Gavel wechselte ein Jahr nach dem Titelgewinn aus privaten Gründen nach Bamberg und wurde dort zu Beginn des Jahres 2026 als Coach of the Year ausgezeichnet. Das macht das Aufeinandertreffen mit Ulm mehr als nur zu einer normalen Playoff-Paarung. Es ist die Rückkehr eines Trainers an eine Station, an der er den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere gefeiert hat, diesmal aber an der gegnerischen Bank.
Die Ausgangslage spricht dennoch nicht nur für die Gastgeber. Ulm hat Spieler, die in engen Serien tragen können. Chris Ledlum führte die Mannschaft mit 16,1 Punkten und 6,5 Rebounds pro Spiel an. Ibi Watson kam auf 16,0 Punkte im Schnitt und landete bei der MVP-Abstimmung auf Platz zwei. Joel Soriano steuerte in etwas mehr als 18 Minuten pro Partie 9,3 Punkte und 5,1 Rebounds bei. Dazu kommt mit Justin Simon ein Verteidiger, der 2022 bereits im Big East, in der australischen NBL und in der easyCredit BBL als Defensive Player of the Year ausgezeichnet wurde und außerdem ins All-Defensive Team der Basketball Champions League berufen war. In dieser Saison ging die Auszeichnung für den besten Verteidiger an EJ Onu.
Bei Bamberg liegt der Unterschied nicht nur in der Form, sondern auch in der gewachsenen Routine. Der Klub setzte in 38 von 39 Spielen dieselbe Startformation ein, was in einer langen Saison fast schon wie ein Gegenentwurf zum üblichen Wechselspiel wirkt. Cobe Williams bringt dabei 4,0 Assists pro Spiel als ordnende Hand mit, und die Heimstärke mit einer Bilanz von 12:5 hat Bamberg über Monate getragen. Ulm dagegen hat trotz des starken Endspurts auswärts nur sieben Siege geholt. Genau dort liegt der Knackpunkt vor der Serie: Bamberg wirkt gerade robuster, Ulm gefährlicher in einzelnen Momenten, aber nicht über die ganze Strecke so verlässlich.
Der Kreis schließt sich für Gavel also an einem Ort, an dem seine Vergangenheit und Gegenwart direkt aufeinandertreffen. Bamberg ist aktuell das Team mit der klareren Linie. Ulm bringt die Erinnerung an den Titel und mehrere Spieler mit, die ein Spiel aus dem Nichts kippen können. Die Serie dürfte deshalb weniger von Nostalgie leben als von einer einfachen Frage: Hält Bambergs Stabilität auch dann, wenn Gavel auf der anderen Seite auf die Mannschaft trifft, mit der er vor zwei Jahren ganz oben stand?
