Bei den Regionalwahlen am Sonntag in Andalusien ist Por Andalucia als linkes Bündnis aus sieben Parteien angetreten. Die Allianz will die Probleme der Region dort angreifen, wo sie nach ihrer Darstellung am deutlichsten spürbar sind: bei Löhnen, Wohnen, Gesundheit und öffentlichen Diensten.
Zu Por Andalucia gehören Izqiuerda Unida, Sumar, Podemos, Iniciativa del Pueblo Andaluz, Alternativa Republicana, Alianza Verde und Verdes Equo. Das Bündnis wurde gebildet, weil die Sorge wuchs, dass sich die linke Stimme auf zu viele Parteien verteilt. Por Andalucia fordert, den Primärsektor zu stärken, also Landwirtschaft und Fischerei, öffentliche Dienstleistungen wieder zu verstaatlichen, das Wohnungsproblem in Andalusien zu lösen und die primäre Gesundheitsversorgung zu garantieren. Dazu gehören kürzere Wartezeiten für Arzttermine, mehr Personal für Hausärzte und Fachärzte sowie ein Ende der Privatisierung durch die Kündigung von Verträgen mit privaten Kliniken.
Der Wahlkampf trifft auf eine Region, die nach Darstellung des Bündnisses seit Jahren unter Druck steht. Rechte Parteien würden Geld aus öffentlichen Diensten in den privaten Sektor verschieben, heißt es. Die konservative Partido Popular, PP, habe den Zugang zu Wohnraum, Basisdiensten, Arbeitsrechten, medizinischer Behandlung, Bildung und Universitäten in den vergangenen Jahren zunehmend gefährdet. Gleichzeitig beschreibt die Darstellung Andalusien als Gebiet mit deutlicher sozialer Spaltung: In Almería gibt es zwar viele Jobs dank Landwirtschaft und Tourismus, doch die Provinz hat die niedrigsten Löhne in der Region. Zwischen Almería und Málaga können die Unterschiede in Hotellerie oder Bauwirtschaft bis zu 500 Euro im Monat betragen, der Durchschnittslohn in Almería liegt unter 1.000 Euro.
Die Ursachen dieser Ungleichheit liegen nach Angaben aus dem Umfeld des Bündnisses in der Haltung von Unternehmern und Großgrundbesitzern in der Landwirtschaft. Wer sich organisiert, dem drohten Repressionen, Drohungen, Angriffe oder die Entlassung. In zehn Sektoren sind die Tarifverträge inzwischen abgelaufen, darunter im Transportwesen und bei Frauen in der Verarbeitung und Verpackung von Obst und Gemüse. Dort wird nach dieser Darstellung 46 Stunden pro Woche unter schlechten Bedingungen gearbeitet. In den Gewächshäusern arbeiten zudem Tausende undokumentierte Migranten, die noch stärker ausgebeutet würden. Vor diesem Hintergrund ist die Abstimmung nicht nur ein Stimmtest für die Linke, sondern auch ein Prüfstein dafür, ob Andalusien bei Löhnen, Arbeitsrechten und öffentlichen Diensten politisch einen anderen Kurs einschlägt.

