Maia Sandu und Nicusor Dan sind in dieser Woche gemeinsam in einem rumänischen Militärflugzeug nach Jerewan gereist, wo der Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft stattfand. Es war das erste Mal, dass die Staatschefs von Moldawien und Rumänien zusammen zu einem internationalen Gipfel flogen und am Flughafen gemeinsam empfangen wurden.
Sandu schrieb vor dem Abflug auf Facebook, sie reise zusammen mit Präsident Nicusor Dan in die armenische Hauptstadt, wo das Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft stattfinden werde. Die Szene war mehr als ein Protokolldetail. Sie zeigte öffentlich, wie eng die beiden Präsidenten inzwischen politisch miteinander verbunden sind. Wenige Tage zuvor hatten beide bereits ein gemeinsames Foto auf ihren Facebook-Seiten veröffentlicht.
Gewicht bekommt der Auftritt durch die politische Botschaft dahinter. Sandu hat sich in den vergangenen Monaten immer deutlicher für eine Annäherung bis hin zur Wiedervereinigung mit Rumänien ausgesprochen. Im Januar 2026 sagte sie dem, sie würde bei einem Referendum persönlich mit Ja stimmen. Ende April 2026 bekräftigte sie diese Linie erneut in einem Interview mit Le Monde. Dan reagierte darauf positiv und sagte: „Rumänien ist vorbereitet darauf.“
Dass diese Worte heute mehr Aufmerksamkeit erhalten als frühere Pro-unionistische Signale, liegt auch an der Konstellation beider Länder. Sandu ist rumänische Staatsbürgerin, sie unterstützte Dan bei der rumänischen Präsidentschaftswahl im Mai 2025 und stimmte für ihn. Beide Länder teilen die rumänische Sprache, und beide Staatschefs treten mit einer Offenheit für ein Thema auf, das lange politisch tabu war.
Die historische Last hinter dieser Debatte ist schwer. Das ehemalige Fürstentum Moldau wurde 1812 von Russland und dem Osmanischen Reich geteilt; der Pruth wurde zur Grenze zwischen den beiden Teilen. Im Dezember 1918 entschied die Führung des russisch annektierten Teils von Moldau, sich wieder mit Rumänien zu vereinen. Seither bleibt die Frage der Einheit Teil der politischen Erinnerung auf beiden Seiten der Grenze.
Spannung erzeugt vor allem, dass Sandu und Dan mit ihrer Offenheit eine Ausnahme markieren. Nach den vorliegenden Angaben hatten alle früheren moldauischen Staatschefs eine Wiedervereinigung abgelehnt. Auf rumänischer Seite gilt nur Traian Basescu, Präsident von 2004 bis 2014, als beständiger Befürworter eines Unionismus. Erst jetzt sitzen in beiden Ländern gleichzeitig Präsidenten im Amt, die einer Vereinigung grundsätzlich positiv gegenüberstehen.
Das macht die Reise nach Jerewan zu mehr als einem gemeinsamen Termin. Sie ist ein öffentliches Signal, dass moldawien und Rumänien in einer Frage, die jahrzehntelang vor allem historisch gedacht wurde, wieder politisch anschlussfähig geworden sind. Ob daraus mehr als Symbolik wird, hängt davon ab, ob beide Staatschefs aus ihrer ungewöhnlich offenen Haltung auch eine tragfähige Linie machen.

