Millennials könnten laut einer am 9. April 2026 veröffentlichten Studie des Roosevelt Institute die erste Generation sein, die am Ende kein Erbe von der eigenen Familie bekommt. Die Untersuchung von Jessica Forden kommt zu dem Schluss, dass steigende medizinische Kosten, längere Pflegephasen und eine höhere Lebenserwartung der Babyboomer das Vermögen vieler Haushalte aufzehren, bevor es weitergegeben werden kann.
Besonders hart trifft das nach der Studie die Mittelschicht. Fast vier von fünf Erwachsenen aus der Mittelschicht über 65 Jahre, die langfristige medizinische Pflege brauchen, müssen demnach Medicaid beantragen. Forden beschreibt damit einen Weg, auf dem Ersparnisse schnell schwinden: Ein normaler amerikanischer Mittelklasse-Haushalt kann durch Arztrechnungen über die Zeit seine gesamten Vermögenswerte verlieren.
Die Rechnung, die die Forscherin aufmacht, ist schlicht und unbequem. Starten zwei Menschen mit einem mittleren Vermögen von rund 150.000 Dollar und braucht nur eine Person keine langfristige Pflege, würden ihre Vermögenswerte über einen Zeitraum von 20 Jahren nur um knapp 24.000 Dollar steigen. Das klingt nach Wachstum, reicht aber kaum aus, um die Lücke zu schließen, die Krankheit, Pflege und steigende Lebenshaltungskosten reißen können.
Die Studie steht damit in einer längeren Debatte über die Vererbung von Vermögen in den USA. Ein von Cerulli Associates zitierter Bericht kommt zu dem Schluss, dass fast 68 Prozent des übertragenen Vermögens aus Haushalten mit mindestens 1 Million Dollar Ersparnissen stammen. Genau darin liegt der Kern des Problems: Was überhaupt weitergereicht wird, kommt überwiegend aus den reicheren Schichten, während Familien mit mittlerem und niedrigerem Einkommen viel eher erleben, dass Pflegekosten, Studentenkredite und andere Schulden das übrig gebliebene Vermögen weiter verkleinern.
Der Druck dürfte noch zunehmen, weil Babyboomer länger leben und diese zusätzlichen Jahre in einer immer teureren Phase des Gesundheits- und Pflegesystems verbringen. Damit wird Erben für viele Millennials weniger zu einer Erwartung als zu einer Ausnahme. Die Studie legt nahe, dass diese Generation ihre Finanzen zunehmend ohne die Stütze einer Erbschaft planen muss — und dass der eigentliche Verlust nicht erst beim Erbschein sichtbar wird, sondern schon vorher, wenn Vermögen im Alter im Gesundheitssystem verschwindet.
