Franz X. Gernstl hat mit 75 Jahren sein erstes Buch geschrieben. „Glück gehabt!“ erscheint heute, und am Freitag wird es im Münchner Literaturhaus vorgestellt.
Damit legt der Mann, der vier Jahrzehnte lang mit H. P. Fischer und Stefan Ravasz für den BR unterwegs war, nun erstmals in gedruckter Form Rechenschaft über ein Arbeitsleben ab, das ihn durch Begegnungen, Geschichten und Umwege geprägt hat. Fischer arbeitete als Kameramann, Ravasz für den Ton. Gemeinsam prägten sie über 40 Jahre lang jene Fahrten, aus denen „Gernstls Reisen“ wurde.
Gernstl, 75, beschreibt das Buch als Sammlung von Lebenslektionen aus vier Jahrzehnten auf der Straße. Der Anfang sei eher amateurhaft gewesen, sagt er. Auf ihren T-Shirts stand damals „Weiber, Bier und Bratwürste“. Aus dem lockeren, manchmal improvisierten Aufbruch wurde später ein Werk, das seine Autoren über Jahre zusammenhielt.
Inhaltlich kreist „Glück gehabt!“ um das, was Gernstl heute wichtig ist: gesund zu sein, keine Sorgen zu haben und mit einem offenen, wohlwollenden Blick durch das Leben zu gehen. Schon eine Spaghetti Puttanesca könne ihn zufrieden machen, sagt er. Gleichzeitig warnt er davor, Beziehungen zu Lebenspartnern oder Freunden zu beschädigen, und rät, Neid, Eifersucht und Eitelkeit im Zaum zu halten.
Auch die Herkunft dieses Denkens zieht sich durch seine Erinnerungen. Seine Mutter sei gelassener und mutiger gewesen, sein Vater habe alles perfekt haben wollen. Zuletzt habe er selbst wochenlang um das perfekte Schärfen eines Messers gerungen und am Ende gewonnen. Solche Details machen aus dem Buch mehr als eine Rückschau; sie zeigen einen Autor, der seine eigene Biografie als Lehrstück über Maß, Geduld und Genügsamkeit versteht.
Dass Gernstl sich dem Buddhismus zuneigt, passt in dieses Bild. Ziel sei es, Wünsche zu verringern, sagt er, das Leben zu vereinfachen und Ballast abzuwerfen. Genau darin liegt auch der Kern von „Gernstls Reisen“: nicht im Spektakel, sondern in der Haltung, mit der man unterwegs ist. Für Leser von wir in bayern heute ist das Buch deshalb nicht nur eine Premiere, sondern auch ein spätes Resümee eines Mannes, der sein Arbeitsleben lang das Unterwegssein selbst zur Schule gemacht hat.
Am Freitag tritt Gernstl im Münchner Literaturhaus auf die Bühne. Dann wird sich zeigen, wie viel von diesem langen Weg inzwischen in einem einzigen Buch Platz findet — und dass er am Ende mit dem Satz zusammenfällt, den er offenbar am liebsten über sein Leben sagt: „Glück gehabt!“.
