Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hat am Rande eines Brics-Treffens in Neu-Delhi erklärt, Teheran habe kein Vertrauen in die USA und sei nur an Verhandlungen interessiert, wenn diese ernst gemeint seien. Zugleich sagte er, widersprüchliche Signale ließen an den wahren Absichten der Amerikaner zweifeln.
Araghtschi sagte weiter, der Iran versuche, der Diplomatie eine Chance zu geben und die Waffenruhe einzuhalten. Die Lage rund um die Straße von Hormus sei sehr kompliziert, erklärte er, zugleich betonte er, alle Schiffe könnten die Meerenge passieren, die nicht mit den Angriffen der USA in Verbindung stünden.
Die Äußerungen fallen in eine Phase, in der der Konflikt am Golf weiter nachwirkt. Der Text verweist darauf, dass der Iran immer wieder Ziele in Saudi-arabien und den Emiraten angegriffen habe. Laut der New York Times reagierten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ihrerseits mit Attacken auf den Iran. Offiziell äußern sich beide Staaten zu den Vorwürfen nicht.
Parallel dazu treiben die Vereinigten Arabischen Emirate den Ausbau ihrer bestehenden Ölpipeline nach Fudschairah voran. Von 2027 an soll sie Öl aus Abu Dhabi an den Golf von Oman transportieren und damit die durch den Iran-Krieg zum Erliegen gekommene Straße von Hormus umgehen. Nach den vorliegenden Angaben würde die Pipeline die Exportkapazität der Emirate über Fudschairah verdoppeln.
Auch an der libanesischen Front bleibt die Lage angespannt. Die israelische Armee rief die Bewohner von fünf Ortschaften im Süden des Libanon zur sofortigen Evakuierung auf und erklärte, sie sehe sich wegen der Verletzung des Waffenruheabkommens durch die Hisbollah gezwungen, mit aller Härte gegen sie vorzugehen. Die Menschen sollten ihre Häuser unverzüglich verlassen und sich mindestens einen Kilometer entfernt aufhalten.
In Washington liefen derweil Gespräche zwischen Israel und dem Libanon nach US-Angaben bislang positiv. Ein ranghoher Vertreter des US-Außenministeriums sprach am Donnerstag von produktiven Gesprächen; am Freitag sollte es wie geplant ein weiteres Treffen geben. Es ist die dritte Gesprächsrunde seit der Bekanntgabe einer Feuerpause vor fast einem Monat.
Zusätzliche Spannung brachte eine Äußerung von Donald Trump über ein angebliches chinesisches Hilfsangebot im Iran-Krieg. Daraufhin erneuerte Peking seine Forderung nach einer dauerhaften Waffenruhe. Für die Region bleibt damit offen, ob die jüngsten diplomatischen Signale belastbar sind oder ob sie nur die nächste Pause vor der nächsten Eskalation markieren.

