Donald Trump und Xi Jinping haben sich in Peking zu einem Gipfeltreffen getroffen, das versöhnlich endete und doch mehr über die neue Machtbalance verriet als über echte Einigung. Am zweiten Tag von Trumps Besuch wurde der US-Präsident hinter die Mauern von Zhongnanhai geführt, und er fragte Xi: „Bringen Sie auch andere Präsidenten hier her?“
Schon die Kulisse war auf Wirkung angelegt. Trump wurde am Flughafen mit Pomp und Fanfare empfangen, vor der Großen Halle des Volkes standen Kinder mit wehenden Fahnen. Der Empfang passte zu dem Bild, das beide Seiten nach außen zeigen wollten: zwei starke Männer, die sich auf Augenhöhe begegnen. Doch die Gespräche lieferten vor allem ein Ergebnis, das sich in der Öffentlichkeit gut verkaufen lässt, aber auf beiden Seiten unterschiedlich gelesen wird.
Aus US-Sicht ging es um Fentanyl-Vorstufen, um mehr chinesische Käufe amerikanischer Agrarprodukte, um die Öffnung der Straße von Hormus und um die Ablehnung einer iranischen Atombombe. In der chinesischen Stellungnahme tauchte davon nichts auf. Genau dort liegt der Kern des Treffens: Die gemeinsame Erklärung war weniger ein Protokoll des Gesagten als ein Spiegel dessen, was jede Seite für ihre eigene Erzählung brauchte.
Xi Jinping stellte derweil die Taiwan-Frage in den Mittelpunkt seiner Forderungen. George Chen sagte, Xi habe deutlich gemacht, dass es keinerlei Toleranz für Schritte in Richtung einer taiwanischen Unabhängigkeit gebe, und diese „rote Linie“ gleich zu Beginn des Treffens mit Trump zum Zentrum gemacht. Zugleich sprach Xi bei Wirtschaftsfragen wärmer. China brauche Offenheit und Verlässlichkeit von Unternehmen, hieß es aus seinem Umfeld. Das war eine härtere politische Linie bei Taiwan, aber ein weicherer Ton bei Handel und Investitionen.
Auch auf der Wirtschaftsebene zeigte das Treffen, wie stark die Beziehungen schon vor dem Gipfel aus dem Gleichgewicht geraten waren. Washington soll Exportlizenzen an zehn führende chinesische Tech-Unternehmen vergeben haben, damit sie Nvidia-H200-Chips kaufen können. Trump wiederum erklärte, China habe sich zum Kauf von 200 Boeing-Flugzeugen verpflichtet und werde seine Agrarimporte aus den Vereinigten Staaten ausweiten. Boeing-Aktien fielen nach dieser Ankündigung um vier Prozent.
Die Bilder in Peking und die Zahlen an den Märkten erzählen zusammen eine Geschichte von Einfluss, der neu verteilt wird. Trump, der nach seinem Sieg bei der zweiten US-Präsidentschaftswahl im November 2024 seit Januar 2025 als 47. Präsident im Amt ist, trat nicht mehr als der Politiker auf, der China nur mit Zöllen und Drohungen begegnet. Und Xi trat nicht wie ein Gastgeber auf, der bloß Höflichkeit pflegt. Beide Seiten benutzten den Gipfel, um Stärke zu zeigen, aber sie meinten damit nicht dasselbe.
Rush Doshi brachte diese Verschiebung auf den Punkt: „Die Herausforderung, die wir haben, ist, dass sich die Dynamik bereits seit 2025 gewandelt hat.“ Genau darin liegt der Befund dieses Treffens. Es war diplomatisch erfolgreich im Auftreten, aber in der Substanz blieb es ein Gespräch mit auseinanderlaufenden Interessen. Das versöhnliche Ende verdeckt nicht, dass Taiwan für Peking die rote Linie bleibt und dass die wirtschaftlichen Zugeständnisse in Peking anders klingen als in Washington.
Das Fazit dieses Gipfels ist deshalb klarer als die gemeinsamen Erklärungen: Zwischen Trump und Xi hat sich kein neues Vertrauen gebildet, sondern eine Ordnung, in der beide Seiten gelernt haben, den anderen auf ihre Weise zu bedienen. Das macht das Treffen nicht kleiner, sondern gefährlicher. Denn wer den Code des anderen verstanden hat, kann auch präziser kalkulieren, wie weit sich Druck, Handel und Symbolik noch treiben lassen.

