Georgia Stanway dürfte am Donnerstag noch einmal vor großer Kulisse in Köln auflaufen, bevor ihr Weg nach der Saison wohl weiter zum FC Arsenal führt. Beim 46. DFB-Pokalfinale der Frauen zwischen VfL Wolfsburg und FC Bayern, das um 16 Uhr beginnen soll, könnte die Engländerin ein letztes Mal im Bayern-Trikot vor einem großen Publikum zu sehen sein.
Stanway ist eine der markantesten Abgänge, die die Frauen-Bundesliga vor dem Sommer treffen. Auch Vivien Endemann plant den Schritt aus Deutschland heraus und soll im Sommer zu FC Liverpool wechseln. Dazu kommt Selina Cerci, die nach Angaben der Sportschau zu einem Topklub im Norden Londons wechseln soll; die TSG Hoffenheim bestätigte am Dienstag, 12.05.2026, dass sie den Verein nach der Saison verlassen wird. Cerci brachte es für Hoffenheim auf 34 Tore in 46 Pflichtspielen und steht damit sinnbildlich für den Verlust an Qualität, den die Liga gerade erlebt.
Der Trend ist klarer als jede einzelne Personalie. Englische Klubs aus der Women's Super League werben aggressiv um die besten Spielerinnen aus der Bundesliga, weil sie mehr zahlen und bessere professionelle Rahmenbedingungen bieten. Jörg Neblung brachte die Entwicklung so auf den Punkt: Ähnlich wie bei den Männern zieht es auch bei den Frauen die besten Spielerinnen in die finanzstärkste Liga der Welt mit den besten professionellen Voraussetzungen. Dass dabei nicht nur sportliche Perspektiven zählen, machte er ebenfalls deutlich: Da bremst die Distanz, spielen die politische Situation und der Salary Cap eine Rolle.
Für die Bundesliga ist das mehr als eine Serie von Wechseln. Nach Neblungs Einschätzung gehören inzwischen keine Bundesliga-Klubs mehr zu den zehn finanziell stärksten Vereinen der Welt. Selbst der FC Bayern, der als Champions-League-Halbfinalist sportlich weiter oben mitspielt, müsste sein Gehaltsbudget noch einmal anheben, um in diese Gruppe vorzustoßen. Genau dort liegt der Druck: Die Liga bringt weiter internationale Spielerinnen hervor, verliert sie aber zunehmend an Klubs, die in England und den USA bessere Bedingungen vorhalten.
Stanway steht damit nicht nur für einen Transfer, sondern für die Richtung, in die sich der Markt bewegt. Wenn am Donnerstag in Köln der Pokal ausgespielt wird, geht es für Bayern um einen Titel. Für die Liga geht es zugleich um etwas Größeres: wie lange sie ihre besten Namen noch halten kann, bevor die attraktivsten Angebote endgültig anderswo liegen.

