Lesen: Betrug mit SMS-Blaster: Wie ein 28-Jähriger Zürich erreichte

Betrug mit SMS-Blaster: Wie ein 28-Jähriger Zürich erreichte

Veröffentlicht
3 Min. Lesezeit 9 Aufrufe
Anzeige

Mit einem Gerät, das in den kommenden 48 Stunden für Hektik sorgen wird, stand ein 28-Jähriger am Donnerstag im Zentrum eines Betrugs, der von den Tätern als gewöhnliche Paket- oder Postnachricht getarnt war. Der Chinese, in den Unterlagen als bezeichnet, kam am 22. Oktober 2025 von Mailand in die Schweiz, wurde einen Tag später in Agno im Tessin mit einem SMS-Blaster im Kofferraum seines gemieteten Autos mit italienischen Nummernschildern erwischt und am Freitag in Zürich festgenommen.

Das Gerät verschickte in einem Radius von 100 Metern automatisch Phishing-SMS an Smartphones. Die Nachrichten gaben sich als Mitteilungen von DPD oder der Schweizerischen Post aus und führten auf eine täuschend echte Website der Post mit einem Formular, in das Opfer ihre Daten eintragen sollten. Wer das tat, lieferte den Betrügern Bank- oder Kreditkarteninformationen.

Wang Lee fuhr nach Angaben aus dem Verfahren durch Lugano und Bellinzona und weiter durch den , während der SMS-Blaster lief. Am nächsten Tag testete er das Gerät in Zürich, schaltete es am Nachmittag hinter dem Einkaufszentrum Letzipark erneut ein und fuhr rund eine Stunde lang durch die Stadt. Insgesamt erreichte die Aktion rund 50 000 Mobiltelefone in der Schweiz. Dass die Nachrichtendienste der Mobilfunkanbieter , und die betrügerischen SMS schon seit Jahren filtern, half hier nicht: Der SMS-Blaster imitiert eine legitime Mobilfunkantenne und umgeht diese Schutzmechanismen.

- Advertisement -

Die Ermittler konnten die Quelle der Störung eingrenzen, nachdem Swisscom den Ursprung des Signals nachverfolgt hatte. Wenige Minuten später, 45 Minuten nachdem die letzten SMS im Namen der Post verschickt worden waren, griff die Zürcher Polizei Wang Lee am auf frischer Tat auf. Er stimmte einem abgekürzten Verfahren zu und gestand versuchten gewerbsmäßigen Betrug, mehrfache Urkundenfälschung und die Störung von Arbeiten, die dem Allgemeinwohl dienen.

Der Fall zeigt, warum diese Masche in der Schweiz nicht mehr wie eine Randerscheinung wirkt. Phishing-SMS gehören längst zum Alltag, doch der SMS-Blaster ist eine neue Qualität des Betrugs: Er gibt sich als echtes Netz aus, kommt ohne klassische Massenversendung aus und trifft Menschen dort, wo sie ihr Handy ohnehin in der Hand halten. Für Wang Lee ist der nächste Schritt nun kein technischer, sondern ein gerichtlicher. Für die Ermittler ist die zentrale Frage beantwortet: Die Spur führte nicht ins digitale Niemandsland, sondern zu einem Mann, der die Täuschung mit einem mobilen Sender quer durch die Schweiz trug.

Anzeige
Diesen Artikel teilen