Die Polizei in Tirol hat im Zusammenhang mit mutmaßlich neonazistischen und rassistischen Vorfällen rund um das Gauder Fest im Zillertal alle drei gesuchten Verdächtigen identifiziert. Der Fahndungsaufruf wurde daraufhin zurückgezogen.
Die Beamten hatten die Bilder der Gesuchten erst am Vortag veröffentlicht. Die Veröffentlichung war von der Staatsanwaltschaft angeordnet worden. Nach Angaben der Ermittler waren die drei am 1. Mai in der Zillertalbahn unterwegs, als sie bei ihrer Ankunft aufgefallen sein sollen.
Ihnen wird vorgeworfen, wiederholt den Hitlergruß gezeigt und lautstark „Sieg! Sieg! Sieg! Heil! Heil! Heil!“ gerufen zu haben. Zuvor war bereits ein Video in sozialen Medien kursiert. Auch das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung bat um Hinweise.
Nach Informationen der Tiroler Tageszeitung sollen die drei Verdächtigen 15, 16 und 18 Jahre alt sein. Mehrere anonyme Gäste aus Tirol schilderten dem STANDARD weitere Vorfälle: Drei offenbar angetrunkene junge Männer hätten sich in der Bahn einer anderen Gruppe angeschlossen, auf dem Weg zum Fest seien zudem rassistische und antisemitische Äußerungen gefallen.
Auch auf dem Festgelände selbst soll es zu weiteren Entgleisungen gekommen sein. Dort hätten sich Menschen in einer Toilette „rassistisch ausgelassen“, hieß es. In der Bar eines Hotels in Zell am Ziller soll eine Gruppe junger Männer außerdem „SS“, „HH“ und ein Hakenkreuz auf einen Tisch geschrieben haben.
Der Fall zeigt, wie schnell sich die Spuren solcher Vorfälle heute digital verdichten. Ein bereits kursierendes Video, Hinweise aus der Öffentlichkeit und die am Mittwoch veröffentlichten Bilder führten binnen eines Tages zur Identifizierung der drei Verdächtigen. Was bleibt, sind nun die Ermittlungen zu den einzelnen Taten und die Frage, wie weit die Szene an diesem Tag tatsächlich ging.

