Der Atlantic Council will, dass die Trump-Regierung mit dem Kongress einen Weg sucht, das Verbot von US-Waffenverkäufen an Azerbaijan aufzuheben, wenn im Gegenzug zu Unrecht festgehaltene Menschen freikommen. Der Vorstoß richtet sich auf mehr als fünf hundert Menschen, die in Belarus bereits durch einen ähnlichen Tausch zwischen Sanktionserleichterung und Freilassung profitiert haben sollen.
Frederick Kempe nannte das einen möglichen „grand deal“ und einen „bipartisan win-win“. Aus seiner Sicht wäre es auch ein „relatively cost-free way to upgrade US relations with a key strategic energy and transport partner that borders both Iran and Russia“. Genau darin liegt der Reiz des Vorschlags: Er verknüpft Menschenrechtsfragen mit einem Land, das für Energie- und Transportwege strategisch wichtig ist und direkt an Iran und Russland grenzt.
Im Zentrum steht Section 907 des FREEDOM Support Act, den der Kongress 1992 verabschiedete, um Azerbajdschans Umgang mit Armeniern in Karabakh und die Blockade Armeniens zu ahnden. Der US-Senat erlaubte 2001 per Zusatzantrag dem Weißen Haus, diese Beschränkungen zu waiven, und fast jedes Jahr seitdem haben republikanische wie demokratische Präsidenten davon Gebrauch gemacht. Deshalb ist die Regel in Washington vor allem symbolisch geworden.
Für die Regierung von Ilham Aliyev ist sie trotzdem hochpolitisch. Sie gilt dort als Hindernis für engere Beziehungen zu Washington, gerade weil sie als offenes Misstrauenssignal gelesen wird, auch wenn sie in der Praxis meist außer Kraft gesetzt ist. Der Bericht verweist zugleich darauf, dass einige der in Azerbaijan festgehaltenen Menschen Verbindungen zu den USA haben, was den Druck auf die Regierung zusätzlich erhöht.
Die Idee fällt in eine Phase, in der sich Washington und die Region ohnehin neu sortieren. Vizepräsident JD Vance war im Februar der ranghöchste US-Vertreter, der Armenien und Azerbaijan besuchte, und in Yerevan kündigte er Milliarden von Dollar an Unterstützung für die Kernenergie an. Im August 2025 fand in Washington ein trilateraler Gipfel auf Führungsebene statt. Der Atlantic Council setzt nun darauf, dass die Regierung diesen diplomatischen Spielraum nutzt und Section 907 nicht nur als Relikt behandelt, sondern als Verhandlungsmasse.
Ob daraus tatsächlich ein Abkommen wird, hängt davon ab, ob Washington den symbolischen Wert der alten Sanktion in konkrete Ergebnisse übersetzen kann. Genau dort liegt die eigentliche Prüfung: nicht, ob die Regel noch auf dem Papier steht, sondern ob ihre Abschaffung mehr als ein Zeichen an Baku wäre.

