Microsoft arbeitet laut einem Bericht an zwei neuen Xbox-Projekten, die das Spielegeschäft des Konzerns in ganz unterschiedliche Richtungen erweitern könnten. In aktuellen Xbox-Insider-Builds tauchte der Codename Positron auf, während Project Saluki als mögliches neues Xbox Game Pass-Angebot für China beschrieben wird.
Das ist mehr als nur ein weiterer interner Testlauf. Positron könnte darauf zielen, physische Xbox-Spiele mit digitalen Lizenzen zu verbinden, also genau an einer Frage zu arbeiten, die Microsoft schon in der Xbox-One-Ära beschäftigt hat. Damals erwog der Konzern ein System, bei dem Disc-Spiele faktisch digitale Nutzungsrechte erhalten sollten, gab den Plan aber nach heftigen Widerständen wieder auf, weil er den Weiterverkauf stark eingeschränkt hätte.
Project Saluki wiederum soll auf den chinesischen Markt zugeschnitten sein und mehrere Abostufen sowie Belohnungssysteme enthalten. Ein solches Angebot würde Microsoft in einem Umfeld platzieren, das für westliche Firmen besonders schwer zugänglich ist, weil China strenge Regeln für Veröffentlichungen und Monetarisierung hat. Gleichzeitig ist der Markt dort längst nicht mehr nur ein Randthema: Er wird noch immer von Mobile Games geprägt, doch AAA-Titel wie Black Myth: Wukong gewinnen in China und international an Gewicht.
Für Microsoft kommt dieser Vorstoß in einer Phase, in der China nach Einschätzung von Analysten bis 2026 die USA als größter Spielemarkt der Welt überholen könnte. Der Konzern ist dort bereits über Activision Blizzard und Partnerschaften mit Unternehmen wie NetEase vertreten. Ein stärker lokalisierter Xbox Game Pass wäre deshalb kein Versuch ins Leere, sondern ein weiterer Schritt, um in einem Markt Fuß zu fassen, der schneller wächst und härter reguliert ist als viele westliche Pendants.
Die neue Richtung passt auch zu einer breiteren Verschiebung im Geschäft mit Konsolenspielen: Digitale Verkäufe dominieren längst. Sony meldete in seinem jüngsten Finanzbericht einen digitalen Anteil von 78 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr, verglichen mit 19 Prozent vor zehn Jahren. Genau deshalb wirkt Positron trotz aller Unklarheiten bemerkenswert, denn ein Modell, das Disc-Käufe enger mit digitalen Rechten verbindet, würde an einem Markt ansetzen, der sich ohnehin schon immer weiter vom reinen Datenträger entfernt.
Gleichzeitig bleibt der entscheidende Haken, dass es für Project Saluki und Positron keine offiziellen Details gibt. Die Hinweise stammen aus Insider-Builds und von mit den Projekten vertrauten Personen. Das macht die Richtung plausibel, aber nicht den Zeitplan, nicht den Preis und nicht die genaue Ausgestaltung. Was sich derzeit sagen lässt, ist schlicht dies: Microsoft testet wieder Ideen, die das Verhältnis zwischen physischen Spielen, digitalen Lizenzen und Abonnements neu ordnen könnten — und diesmal schaut der Konzern dabei zugleich auf China und auf das Ende des klassischen Disc-Modells.
Wer Microsofts jüngste Abo-Strategie verfolgt, erkennt das Muster. Der Konzern erweitert seine Bündel und Testangebote schrittweise, etwa mit neuen Verknüpfungen rund um Discord Nitro und Xbox Game Pass, wie auch bei den kürzlich bekannt gewordenen Starter-Angeboten zu sehen war. Die beiden internen Projekte passen in diese Logik, nur mit größerem Anspruch: Saluki als regionale Abo-Wette für China, Positron als möglicher Umbau für physische Xbox-Spiele. Ob daraus tatsächlich Produkte werden, ist offen — aber der Kurs dahinter ist es nicht mehr.

