Julian Nagelsmann hat vor dem Spiel gegen Curaçao auf die Debatte um Jürgen Klopp und Thomas Müller nicht mehr eingehen wollen. Der Bundestrainer wurde bei der Pressekonferenz auf die viel diskutierten „noch“-Bemerkungen angesprochen und verweigerte eine weitere Einordnung.
Dass die Szene überhaupt noch einmal Thema war, lag an der Reichweite des Satzes. Klopp hatte bei der WM-Berichterstattung von MagentaTV gesagt: „Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf – noch.“ Direkt danach wiederholte er das Wort „Noch“, Müller lachte und setzte nach: „Kloppo, wir haben Juni. Du bist schon im September.“ Der Ausschnitt verbreitete sich schnell in sozialen Medien und löste in Deutschland Diskussionen und Kritik aus.
Für die Aufmerksamkeit sorgte nicht nur der Witz selbst, sondern auch der Ton danach. Stefan Effenberg nannte die Bemerkung in der Sendung Doppelpass ein „absolutes No-Go“ und sagte, so etwas gehöre höchstens „mit einem Bierchen an der Bar“ gesagt, nicht vor einem „Millionen-Publikum“. Vor dem Curaçao-Spiel sagte Moderator Johannes B. Kerner, die Sache habe „ein bisschen Welle gemacht“.
Müller machte später klar, dass er und Klopp den Wirbel nicht ernst nehmen. Sie diskutierten leidenschaftlich über Sport, seien riesige Fans der Mannschaft und des Turniers, sagte er, und bei ihnen gehöre „ein bisschen Schmäh“ dazu. Man werde sich von der Kritik nicht verbiegen lassen und stehe „absolut hinter der Mannschaft“. Auf Nachfrage zu den wiederholten „noch“-Worten scherzte Müller später selbst: „Noch nicht, aber er sieht super aus.“ Dann legte er nach: „Noch ist der Rasen ein bisschen trocken.“ Klopp konterte: „Jetzt hast du das Wort ‚noch‘ zweimal benutzt.“
Die eigentliche Reibung blieb damit bestehen: Klopp sagte später, seine Bemerkung sei nicht als Kritik an Nagelsmann gemeint gewesen. Es sei keine Diskussion gewesen, die sie bei der Aufstellung begonnen hätten, sondern eine über den Kader und über Optionen; mit der Anfangsformation sei er „mehr als happy“. Genau deshalb bleibt Nagelsmanns ausweichende Reaktion bemerkenswert. Er ließ offen, was er von dem Seitenhieb hielt, und überließ es anderen, die Bedeutung der Szene zu deuten.
Am Ende steht weniger ein Streit über eine einzelne Pointe als über den Raum, den sich TV-Experten im WM-Umfeld nehmen dürfen. Bei MagentaTV ist aus einem lockeren Austausch eine Debatte über Grenzlinien geworden, und Nagelsmann hat vorerst gezeigt, dass er darauf nicht auf offener Bühne reagieren will.

