Der Governing Council hat die drei wichtigsten Zinsen des European Central Bank am 17. Juni 2026 um 25 Basispunkte angehoben. Der Einlagenzins steigt damit auf 2,25%, die Hauptrefinanzierungsgeschäfte auf 2,40% und die Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 2,65%.
Christine Lagarde steht damit für einen Schritt, der die Finanzierungskosten im Euroraum erneut nach oben schiebt. Für Borrowers and bedeutet das teurere Kredite, für Sparer höhere Verzinsung an der Spitze der Geldpolitik, auch wenn die Wirkung auf Haushalte und Unternehmen meist mit Verzögerung ankommt.
Die Entscheidung fiel, obwohl der Rat zugleich seine Wachstumsprojektionen nach unten schraubte. Für 2026 erwartet die European Central Bank nun nur noch 0,8% Wirtschaftswachstum, für 2027 1,2% und für 2028 1,5%. Bei der Inflation rechnet sie mit 3,0% im Jahr 2026, 2,3% im Jahr 2027 und 2,0% im Jahr 2028. Die Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel soll 2026 und 2027 bei 2,5% liegen und 2028 auf 2,2% sinken.
Hinter dem Schritt steht der Druck durch den Middle East, den der Rat als Quelle neuer Inflationsimpulse beschreibt. Zugleich hat der Rat seine Inflationsprognose für 2026 und 2027 gegenüber März angehoben, weil die Energiepreise voraussichtlich höher liegen. Dass das Wachstum im selben Atemzug schwächer eingeschätzt wird, zeigt den Zielkonflikt: Der Rat bremst weiter gegen Inflation, obwohl die Konjunktur bereits weniger Schwung hat.
Der nächste Punkt ist damit weniger eine weitere große Zinsrunde als der Spielraum danach. Der Rat preist keinen festen Pfad ein, will Daten von Sitzung zu Sitzung auswerten und steht bereit, alle Instrumente innerhalb seines Mandats zu justieren, damit die Inflation mittelfristig bei 2% landet. Die APP and PEPP-Bestände schrumpfen weiter in gemessenem und vorhersehbarem Tempo. Für Christine Lagarde bleibt die eigentliche Frage nun, wie lange die Notenbank an diesem Kurs festhält, wenn sich die Inflationsrisiken aus dem Middle East und die schwächere Wachstumsbasis weiter gegeneinander verschieben.

