Sernageomin hat nach dem tödlichen Unfall in El Teniente festgestellt, dass vor dem 31. Juli 2025 keine obligatorischen Präventionsmaßnahmen aktiviert wurden. Die Behörde fordert von Codelco nun 12 Korrekturmaßnahmen, nachdem bei dem Unglück sechs Arbeiter starben.
Warum der Fall heute wieder oben auf der Agenda steht, liegt an der Schärfe dieses Befunds: Die Mine in Machalí, eine der sieben Divisionen von Codelco in der Region O'Higgins, war nach Einschätzung der Aufsicht nicht nur einem geomechanischen Ereignis ausgesetzt. Sergio Araya unterzeichnete den Untersuchungsbericht auf Grundlage von Geländeinformationen, angeforderten Hintergrunddaten und Zeugenaussagen, und genau dieser Bericht verschiebt den Blick von der einzelnen Erschütterung hin zu den Entscheidungen davor.
Araya hält fest, dass der seismische Vorfall mit 4,3 Mw die Katastrophe nicht allein erklärt. Der Bericht verweist auf Betriebsbedingungen, die Arbeiter einem erheblichen Risikoszenario ausgesetzt hätten, auf weiter laufende Tätigkeiten in Sektoren mit relevanten geomechanischen Risiken und auf Bereiche, in denen die seismische Antwort des Systems von den erwarteten Mustern abwich. In denselben Zonen seien die obligatorischen Maßnahmen wie Zugangsbeschränkungen, Evakuierung von Personal und der Stopp von Aktivitäten nicht ausgelöst worden, obwohl die Sismizität über den operativen Grenzwerten lag.
Genau dort liegt der Bruch mit einer einfachen Unfallgeschichte. Sernageomin sagt, die seismische Bewegung allein erkläre das Ausmaß des Unglücks nicht, weil das Kontrollsystem die Gefahren nicht rechtzeitig genug antizipiert, integriert und gesteuert habe. Die Arbeiter seien in Sektoren mit dokumentierten strukturellen Schäden geblieben, die mit einem Ereignis aus dem Jahr 2023 in Verbindung gebracht werden, während in Socavón Hw / Loop 1 Überausbruch und im tiefen Abbau typische Spannungswechsel eine Rolle spielten. Auch die Stützsysteme mit Bolzen, Netz, Spritzbeton und Kabeln hätten in Recursos Norte massive Ablösungen und in Taller Andesita einen lokalen Kollaps gezeigt.
Für Codelco ist damit nicht nur die Ursache des Unglücks benannt, sondern auch die Baustelle für die nächsten Schritte. Der Bericht macht deutlich, dass in exponierten Bereichen die operative Kontinuität aufrechterhalten wurde, obwohl die Schutzbarrieren nicht rechtzeitig und verbindlich griffen. Welche der 12 geforderten Korrekturen zuerst umgesetzt werden, bleibt offen, doch der regulatorische Vorwurf ist bereits klar: In El Teniente versagte nicht nur die Naturgewalt, sondern auch das System, das Menschen rechtzeitig hätte herausnehmen müssen.

