Edin Dzeko ist 40 und trotzdem wieder der Mann, der Bosnien und Herzegowina bei einer Weltmeisterschaft anführt. In Toronto beginnt für den Kapitän gegen Kanada seine zweite WM-Kampagne, nachdem er im März mit einem späten Ausgleich gegen Wales den Playoffabend in die Verlängerung gerettet hatte.
Warum dieser Name gerade jetzt so viel Aufmerksamkeit zieht, liegt an diesem Weg nach Nordamerika. Bosnien und Herzegowina war gegen Wales nur noch vier Minuten vom Aus entfernt, ehe Dzeko traf, fünf Tage später zwang die Mannschaft Italien spät in die Verlängerung und holte sich das Ticket im Elfmeterschießen. Für ein Team, das sich durch zwei Spiele am Rand des Ausscheidens kämpfte, ist der Auftakt gegen Kanada mehr als ein Turnierstart.
Dzeko sagte, er sei „so glücklich“, dass er in den vergangenen zwei Jahren helfen konnte, besonders mit den jungen Spielern, die nun zur WM fahren. Diese Spiele gegen Wales und Italien würden ihr Leben verändern, sagte er. Genau das macht seinen Treffer so wichtig: Er war nicht nur ein Tor, sondern der Moment, in dem eine Mannschaft ihre Reise in die Nordamerika-WM wirklich begann.
Dass ausgerechnet Dzeko noch immer solche Augenblicke liefert, passt zu seiner Karriere. Für Manchester City erzielte er 72 Tore in 189 Spielen, darunter den Treffer von der Fünf-Yard-Linie in der 91:38. Minute am letzten Spieltag 2012 gegen QPR, als City aus einem 1:2 noch ein 2:2 machte und später den ersten Meistertitel der Klubgeschichte holte. Vier Jahre nach seinem Wechsel und zehn Jahre vor heute verließ er City und spielte danach für Roma, Inter Mailand, Fenerbahce und Fiorentina. Vor fünf Monaten unterschrieb er mitten in der Saison bei Schalke und schoss sechs Tore, um den Aufstieg in die Bundesliga mit zu sichern.
Bei Bosnien und Herzegowina hat er inzwischen 73 Tore in 148 Einsätzen erzielt und in jedem der vergangenen 20 Jahre mindestens einmal getroffen. Er ist damit nicht nur zurück bei einer WM, sondern zurück als Spieler, der das Team über mehr als ein Jahrzehnt getragen hat. Dzeko sagte auch offen, dass er nicht gedacht habe, mit 40 noch zu spielen. Vor zehn Jahren hätte er das verneint, erklärte er, doch inzwischen höre er auf seinen Körper und arbeite viel vor und nach dem Training an der Vorbeugung.
Er beschrieb diese Routine genauer: Früher denke man nicht daran, 30 bis 45 Minuten vor dem Training im Fitnessraum an Prävention zu arbeiten und danach noch einmal nachzulegen. Als junger Spieler wolle man lieber mit Freunden einen Kaffee trinken oder etwas essen gehen, sagte er. Erst später merke man, dass der Körper genau diese Arbeit brauche, wenn man auf höchstem Niveau bleiben wolle. Diese Disziplin erklärt, warum Dzeko mit 40 noch immer Bosnien und Herzegowina führt, statt nur auf seine beste Zeit zurückzublicken.
Die nächste Prüfung wartet in Toronto gegen Kanada, und danach bleibt die größere Frage offen: Wie weit kann diese Mannschaft gehen, die sich über Last-Minute-Tore und Elfmeterschießen ins Turnier gezwungen hat? Dzeko hofft zugleich auf seinen 150. Länderspieleinsatz. Für Bosnien und Herzegowina beginnt damit nicht nur eine WM, sondern auch die Bewährungsprobe für einen Kapitän, der nie damit gerechnet hatte, noch mit 40 auf diesem Niveau zu stehen.

