China hat den Fall um den Border Collie Chutou am 6. Juni als Straftat eingestuft, nachdem die Polizei den Diebstahl des Hundes zunächst nur als Verwaltungsverstoß behandelt hatte. Der weiße, grau gesprenkelte Hund mit 1,5 Millionen Followern war für 180 Yuan verkauft, noch am selben Tag geschlachtet und kurz darauf in einem Restaurant gegessen worden.
Für seinen Besitzer Guo kam die Neubewertung zu spät, aber sie ist der Grund, warum der Fall jetzt wieder überall diskutiert wird. Chutou hatte ihn jahrelang auf Reisen durch China begleitet, und als Guo allein unterwegs war, blieb der Hund bei seinen Eltern zurück. Dann bemerkte Guos Vater, dass Chutou nicht mehr mit aufs Feld in Henan kam.
Was danach folgte, liest sich wie ein Protokoll aus einem Land, in dem Haustiere rechtlich oft noch wie Besitz behandelt werden. Eine Überwachungskamera zeigte später einen Mann und eine Frau, die den Hund auf einem Elektroroller unter einer Decke wegfuhren. Der Hund wurde an einen Hunde-Fleischhändler verkauft, zum Preis von vier Yuan pro 500 Gramm, und landete für umgerechnet etwa 22 Euro auf dem Markt, bevor er gegessen wurde.
Die Härte des Falls liegt nicht nur in dem, was Chutou widerfuhr, sondern auch darin, wie klein die erste Reaktion der Behörden ausfiel. Erst eine spätere Begutachtung setzte den Wert des Tieres auf mehr als 2000 Yuan, rund 250 Euro, und damit über die Schwelle, ab der aus dem Fall ein Strafverfahren wurde. Zuvor war der Vorfall als Ordnungswidrigkeit behandelt worden. Genau diese Diskrepanz hat viele Tierhalter in China aufgebracht.
Guo fand den verdächtigen Dieb Ende Mai in einem Nachbardorf und stellte ihn zur Rede. Der Mann sagte, er habe Chutou für einen Streuner gehalten. Guo ging danach in das Restaurant und hoffte, wenigstens das Fell seines Hundes zurückzubekommen, doch der Metzger sagte ihm, es sei bereits im Müll gelandet. Später bot der Verdächtige ihm einen Welpen als Ersatz an. Guo lehnte ab und erstattete Anzeige.
Der Fall hat deshalb so viel Resonanz, weil er einen größeren Wandel sichtbar macht. Eine Pekinger Tierschutzorganisation sagte, die Empörung zeige ein altes Problem: dass Haustiere in China noch immer wie Ware behandelt würden. Zugleich zeigen offizielle Zahlen, wie schnell sich die Haltung verändert hat. Im vergangenen Jahr gab es im Land erstmals mehr Haustiere als Kinder unter vier Jahren, und zwei Drittel der Besitzer sind jünger als 40. Für viele Menschen sind Hunde und Katzen längst Teil der Familie geworden, auch ohne dass das Recht Schritt gehalten hätte.
Offen bleibt, was mit dem Mann und der Frau geschieht, die Chutou weggebracht haben. Die Polizei hat den Fall hochgestuft, aber nicht gesagt, ob die beiden nach der neuen Einstufung angeklagt oder festgenommen wurden. Genau dort liegt nun die nächste Frage: ob der späte Wechsel ins Strafrecht für Guo und andere Tierhalter mehr ist als ein symbolisches Eingeständnis, dass der erste Umgang mit Chutou falsch war.
